Politik : Güterverkehr: Alarmsignal: Immer weniger Güter werden auf Gleisen transportiert

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Die Bahn kommt nicht in Fahrt. Schlimmer noch, sie verschlingt viel Geld des Bundes: 13 Milliarden Mark an Nahverkehrszuschüssen, sieben Milliarden Mark geplante Investitionsmittel und 20 Milliarden Mark für Bahnschulden und Pensionslasten. Nun will Bundesfinanzminister Hans Eichel der Bahn außerdem aus der Zinsersparnis durch die UMTS-Erlöse zwei Milliarden Mark pro Jahr zur Verfügung stellen. Dennoch gilt die Bahn als teuer und ineffizient.

Das gilt nicht nur für den Personentransport, sondern vor allem auch für den Güterverkehr. 1999 wurden 287,3 Millionen Tonnen Güter im Wagenladungsverkehr der Eisenbahnen befördert. Das waren satte sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden belegt in seinen Berechnungen, dass damit erstmals seit der deutschen Einheit die Schwelle von 300 Millionen Tonnen unterschritten wurde. Noch im Jahr 1990 wurden in den alten Bundesländern mit 300,6 Millionen Tonnen mehr Güter mit Eisenbahnen transportiert als im vergangenen Jahr im gesamten heutigen Bundesgebiet.

Der Kölner Verkehrswissenschaftler Herbert Baum bilanzierte angesichts solcher Zahlen kürzlich in der "Kölnischen Rundschau": "Im Personen- wie im Güterverkehr haben sich die Anforderungen geändert, und ich weiß nicht, ob die Bahn da mithalten kann. Im Frachtverkehr werden die Güter kleiner und hochwertiger." Baum glaubt, dass die Bahn ihren Systemvorteil, schwere Lasten billig über große Distanzen befördern zu können, immer seltener ausspielen könne. Seit den siebziger Jahren suche sie nach Wegen, Güterzüge flexibler bilden zu können, zum Beispiel durch eine automatische Kupplung, die das Rangieren vereinfachen sollte. Es gebe sie aber bis heute nicht.

Im Sinne einer ökologischen Verkehrspolitik ist es auch ärgerlich, dass die Beförderungsleistung, die in den zwei Vorjahren noch Wachstumsraten aufwies, im aktuellen Berichtsjahr ebenfalls zurückging. Mit 71,4 Milliarden Tonnenkilomter (tkm) lag die Beförderungsleistung um 3,0 Prozent unter dem Wert von 1998.

Vergleicht man die aktuellen Werte mit 1991, so verlor die Bahn seit 1991 insgesamt 28,4 Prozent ihrer Tonnage und 10,4 Prozent ihrer Beförderungsleistung.

Die Bahn, allen voran Bahnchef Mehdorn, sieht als einen Grund der Misere die angebliche Diskriminierung der Bahn im Vergleich zur Straße. Mehdorn rechnet vor: "Ein Lkw kommt für 2500 Mark (Jahresvignette) dreimal um die Erde, ein Güterzug kommt für 2500 Mark Trassenentgelt gerade einmal von München nach Frankfurt am Main." Das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung widerspricht dieser Gegenüberstellung, bei der die Steuerbelastung des Straßenverkehrs vergessen wird. 1997, im Stichjahr der DIW-Studie, hat der Staat 71 Milliarden Mark an Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuer von den Autofahrern kassiert, knapp 30 Milliarden Mark flossen ins Straßennetz.

Der Rückgang der Transportmenge der Bahn im Jahr 1999, so vermerkt das Statistische Bundesamt, ist "insbesondere auf eine rückläufige Nachfrage nach Transportleistung im Montanbereich zurückzuführen". 1999 wurden mit 57,1 Millionen Tonnen rund 5,6 Prozent weniger "feste mineralische Brennstoffe" (insbesondere Stein- und Braunkohle) befördert. Auch die übrigen Güterabteilungen mussten durchgängig Rückgänge hinnehmen.

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