Politik : Güterverkehr: Immer mehr Ware wird auf der Straße transportiert. Die Folge: Stau

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Stau. Auf deutschen Autobahnen geht nicht mehr viel. In diesen Tagen liegt es verstärkt auch daran, dass aufgrund der steigenden Benzinpreise und der Debatte um die Ökosteuer erzürnte Lastwagenfahrer Straßen und Autobahnen blockieren. Doch diese Bilder, Bilder wie große Lastkraftwagen in endlosen Schlangen ebenso stillstehen wie Personenkraftwagen, sind nicht neu. Es sind Bilder, an die die Deutschen sich anscheinend gewöhnt haben.

Tatsache ist, dass Deutschland quasi von einer Transportlawine überrollt wird und das diese Transportlawine sichtbar wird in immer länger werdenden Lkw-Schlangen. Der Grund: Der Lkw-Güterverkehr fährt im Rennen mit der Bahn weiter auf der Überholspur. Die Schiene dagegen verliert an Bedeutung und kann für keine Entlastung auf den Straßen sorgen. Ob es Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) schafft, bis 2015 den Anteil der Bahntransporte zu verdoppeln, ist fraglich.

Der jüngste Trend lässt wenig Hoffnung: Lastwagen beherrschen den Güterverkehr. 1999 erhöhte sich ihr Anteil an Gütertransporten in Deutschland auf 81 Prozent. Eisenbahn und Binnenschifffahrt transportierten dagegen weniger Fracht als im Vorjahr. Die Bahn verbuchte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ein Minus von sechs Prozent. Ihr Anteil an Frachttransporten betrug klägliche sieben Prozent. Über Binnenschiffe wurden 3,1 Prozent weniger Güter abgewickelt, sie transportierten fünf Prozent der Gesamttonnage. Der Luftfrachtanteil blieb mit 0,1 Prozent klein.

Doch der Lkw ist nicht nur der bedeutendste Verkehrsträger für Güter in Deutschland, er wies im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden auch die höchsten Wachstumsraten auf. 1999 stieg die Beförderungsmenge inländischer Lastkraftfahrzeuge nach Schätzungen des Kraftfahrt-Bundesamtes und des Bundesamtes für Güterverkehr real um 4,0 Prozent (plus 119 Millionen Tonnen) an, die Beförderungsmenge ausländischer Lastkraftwagen wuchs nach Schätzungen des Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung um rund zehn Prozent auf 272 Millionen Tonnen, so dass 1999 ingesamt auf deutschen Straßen real 4,4 Prozent mehr Güter transportiert wurden als 1998.

Die Bahn kommt da überhaupt nicht mehr hinterher. Im Gegenteil. Kritiker der Bahn monieren den langsamen Umschlag, zumal Güterzüge gegenüber Personenzügen nur nachrangig behandelt werden. "Güter-ICE" sind derzeit illusorisch. Bahnchef Hartmut Mehdorn weiß um die Mängel. Für Wettbewerbsverzerrungen sei aber der Bund zuständig. So trage die Bahn als "mit Abstand umweltfreundlichstes Verkehrsmittel" im Gegensatz zur Straße ihre Wegekosten in höherem Maße selbst.

Dass etwas gegen den drohenden Verkehrskollaps getan werden muss, ist auch Klimmt bewusst. Nach unbestätigten Berechnungen seines Hauses wird sich das Lkw-Transportaufkommen in den nächsten 15 Jahren verdoppeln und zwar von 236 Milliarden Tonnen je Kilometer auf 426 Milliarden. Die Bahn wird danach nur von 73 auf 93 Milliarden Tonnenkilometer zulegen. Die von 2003 an geplante Lkw-Maut dürfte wenig ändern. Nur mit einer nachhaltigen Modernisierung könnten Transporte von der Straße auf die Schiene geholt werden. Doch Experten im Transportgewerbe bezweifeln, dass die Bahn auch nur einen Teil des Zuwachses bewältigen kann.

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