Guido Westerwelle wird 50 : Fünfzig Jahre und ein bisschen weiser

Guido Westerwelle feierte gestern seinen 50. Geburtstag. Und nutzte gleich die Gelegenheit für seine Botschaft, dass er nach langer Pause wieder die innenpolitische Bühne bespielt.

von
So viel Aufmerksamkeit kam ihm lange nicht mehr zu: Am 18. Januar 2012 feierte der ehemalige FDP-Chef Guido Westerwelle seinen 50. Geburtstag. Nach einem halben Jahrhundert kann der Außenminister auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Einst stand er an der Spitze seiner Partei, wurde als Star gefeiert, bis er seinen Platz notgedrungen räumen musste. Manch einer hatte ihn daraufhin bereits abgeschrieben, doch ein Guido Westerwelle ist robust und lässt sich nicht so einfach verdrängen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
19.01.2012 10:34So viel Aufmerksamkeit kam ihm lange nicht mehr zu: Am 18. Januar 2012 feierte der ehemalige FDP-Chef Guido Westerwelle seinen 50....

Guido Westerwelle, von vielen Liberalen längere Zeit als Buhmann gemieden, ist wieder von Herzen angenommen – von seiner eigenen FDP, von der Union, vielleicht auch von der europäischen Diplomatie und von der deutschen Gesellschaft. Das wenigstens war die Botschaft der offiziellen Feier zu Westerwelles 50. Geburtstag, zu der die FDP am Mittwochabend ins Kulturzelt „Tipi“ neben das Kanzleramt geladen hatte.

Unter den 800 Gästen war liberale Prominenz wie Hans-Dietrich Genscher und fast das ganze Kabinett. „Du kannst auf das Geleistete stolz sein“, sagte FDP-Chef Philipp Rösler dem Jubilar. Fraktionschef Rainer Brüderle befand, mit 50 sei die Pubertät beendet, man werde etwas weiser, klüger, gelassener.

Kaum hatte die EU-Außenbeauftrage Cahterine Ashton den Deutschen als großen Außenpolitiker, Europäer und Freund gewürdigt, bekannte die Kanzlerin Angela Merkel, dass sich bei ihr nach den ersten Begegnungen mit Westerwelle Anfang der 90er Jahre Bewunderung und Ängstlichkeit die Waage gehalten hätten. Ein bisschen von dem Dr. Jekyll and Mister Hyde-Gefühl verspürt Angela Merkel offenbar immer noch. „Wenn man dich in einem Festzelt erlebt, dann kriegt man Panik, ob du wirklich tolerant bist“, meinte sie. Doch wenn man Westerwelle hier unter seinen Freunden erlebe, wisse man, dass er es sei.

Karikaturen zu Guido Westerwelle
Alle Bilder anzeigen
1 von 9Karikatur: Klaus Stuttmann
16.01.2011 11:28

Der Außenminister bemühte sich um den Nachweis neuer Reife und bat die politische Konkurrenz gleich mehrfach um Vergebung für Grobheiten, die er ausgeteilt hatte. Zurückziehen will er sich noch lange nicht: „Ich habe fest vor, weil das mein 50. und nicht mein 80. Geburtstag ist, weiter für die liberale Sache zu wirken.“ Vor wenigen Tagen hatte Westerwelle angekündigt, dass er sich angesichts der Krise seiner Partei wieder stärker in die Innenpolitik einmischen will: Prompt stieg auch die Zahl der Westerwelle-Interviews schlagartig an.

Nach seiner Entmachtung als Parteichef und Vizekanzler im Frühjahr 2011 zog sich sich Westerwelle aus der Innenpolitik fast vollständig zurück und überließ dem Nachfolger das Feld. Im August dann düpierte ihn der neue Parteichef, nachdem der Chefdiplomat den Sieg der Rebellen in Libyen starrköpfig als Erfolg deutscher Sanktionspolitik dargestellt hatte. Rösler gab Westerwelle unmissverständlich die außenpolitische Linie vor.

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben