Politik : Guidos Grufties

Christian Böhme

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Steuermann Guido Westerwelle fällt es derzeit schwer, Kurs zu halten. Das FDP-Schiff schlingert durch die Untiefen der aufgebrachten gelb-blauen See. Im trüben Wasser treiben schwarze Geldscheine und Flugblätter mit dem Bild eines verschlagen dreinblickenden, schnauzbärtigen Mannes. Bei so viel Unbill beginnt sogar die ansonsten recht liberale Mannschaft zu murren. Böse Sache, das Ganze. Aber in Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer. Denn bald werden womöglich auch Deutschlands Senioren Westerwelle den Rücken kehren. Diesen schlimmen Verdacht legt zumindest ein offener Brief der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V. vom 28. Oktober nahe. In den Augen des Vorsitzenden Christian Wienberg (67) hat Big Brother Guido zahllose ältere Menschen beleidigt, weil kollektiv als unnütz abgestempelt. Westerwelle (40), ein Senioren-Beschimpfer? Den Eindruck hat Wienberg offenbar. Am 16. Oktober habe der FDP-Chef, so wurde Wienberg zugetragen, die Ministerriege von Schröder (58) ein „Kabinett von Grufties“ genannt. Der Innenminister (70), der Bauminister (66), der Wirtschaftsminister (62) – alles Grufties? Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist empört. „Wir sind aktive und in allen gesellschaftlichen Feldern bürgerschaftlich engagierte Seniorinnen und Senioren in dem von Ihnen diskriminierten und verspotteten Alter. (…) Wir fordern Sie auf, sich für diese grobe Altersdiskriminierung öffentlich zu entschuldigen.“ Au weia. Da droht Ungemach. Hoffentlich ist wenigstens dieser Brief an Westerwelle weitergeleitet worden. Denn jetzt hilft nur noch: rasches, energisches Gegensteuern. Am besten mit einem Exklusivinterview für „Das Goldene Blatt“. Wir sehen schon die Schlagzeile vor uns. „Westerwelle: Senioren, wir brauchen euch“. Dann, ja dann sähe der Kanzler wirklich alt aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar