• Gut gelaunt präsentieren sich die Teilnehmer der Sondierungsgespräche in Brandenburg. Doch was dabei herauskommt, zeigt sich erst nächste Woche

Politik : Gut gelaunt präsentieren sich die Teilnehmer der Sondierungsgespräche in Brandenburg. Doch was dabei herauskommt, zeigt sich erst nächste Woche

Thorsten Metzner

Viel länger als geplant dauerten am Donnerstag die ersten Sondierungsgespräche des SPD-Verhandlungsteams mit denen der CDU und der PDS. Am Ende war Stolpe zwei Minuten länger mit Schönbohm zusammen als mit Bisky. Zuerst war die CDU dran, dann die PDS. Bisky benannte anschließend die Punkte, die zu klären wären: Bildungspolitik, die Haltung zum Sparpaket, die Einhaltung der ostdeutschen Interessen auf Bundesebene. Strittig sind auch der Flughafen und der Transrapid, aber da hat der PDS-Vorsitzende Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Von einem "seriösen Gespräch" berichtete Bisky anschließend.

Stolpe sagte nach beiden Terminen, eine Tendenz sei nicht erkennbar, alles sei offen. Mit der CDU wird es am heutigen Donnerstag in die nächste Runde gehen, mit der PDS am Freitag. Möglich sei es auch, dass es entgegen der ersten Erwartungen bis zum Wochenende noch keine Entscheidung gibt, mit wem die SPD konkrete Koalitionsverhandlungen aufnimmt.

Weit mehr als zwei Stunden hatten die Teams von SPD und CDU miteinander gesprochen. Zwischendurch berichtete Regierungssprecher Erhard Thomas den Journalisten, er habe "nur ein lautes Lachen gehört". Die Sondierungsrunden fanden in der heiligen Halle der Macht statt: im Kabinettsraum, wo sonst die Landesregierung tagt. "Die dürfen schon mal schnuppern", sagte Thomas. Wo Schönbohm saß? Auf dem Stammplatz von Kulturminister und SPD-Landeschef Reiche; Stolpe schaute auf die CDU-Wahlkampfzentrale.

Stolpe und Schönbohm wirkten am Ende recht gelöst: Beide rühmten die "sachliche Athmosphäre". Dann erklärte Stolpe freundlich, es gebe noch "Klärungsbedarf" in einigen Fragen. Zum Beispiel bei der betrieblichen Ausbildung, bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur, auch beim Religionsunterricht und beim "Fördermix". Schönbohm stimmt zu: Es gehe darum, gemeinsam die Herausforderungen für Brandenburg zu meistern. Unterwegs zu einer großen Koalition? Das ließ Stolpe offen: "Wir sind immer unterwegs - aber es gibt noch eine Gabel."

Interessant war, was die Herren nicht sagten. Ernsthafte "Knackpunkte" habe es nicht gegeben, hieß es. Nicht einmal bei der Förderung des zweiten Arbeitsmarktes, dem Hauptstreitpunkt zwischen SPD und CDU im Wahlkampf, schienen die Hürden unüberbrückbar. Die Wahlkampfverletzungen wurden, wie zu hören war, gleich zu Beginn abgehandelt worden. Schwamm drüber. Ressorts und Personalien hätten keine Rolle gespielt, sagte Stolpe.

Indirekt haben sie es natürlich doch. Denn schon die Zusammensetzung der Runde war bemerkenswert: Auf SPD-Seite war es neben Stolpe, Landeschef Steffen Reiche und Fraktionschef Wolfgang Birthler auch Stolpe-Intimus Rainer Speer, bislang noch Umweltstaatssekretär: Vor neun Jahren bei den Verhandlungen für die Ampel-Koalition hatte dort noch Jürgen Linde gesessen, der am Tag zuvor sein Ausscheiden "auf eigenen Wunsch" bekanntgab - und den Speer nun beerben soll.

Auf CDU-Seite war es neben Schönbohm, Fraktionschef Hackel und Generalsekretär Thomas Lunacek überraschend Ulrich Junghanns. Der Frankfurter CDU-Kreischef, der zur Überraschung vieler auf Betreiben Schönbohms Vize-Landeschef wurde, stand bislang selten im Rampenlicht. Aber in der Partei ist aufmerksam registriert worden, dass Junghahns in der "Viererbande" ist. Wie aus dem Umfeld Schönbohms verlautete, gilt der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Gründer einer High-Tech-Firma als "einer der besten Köpfe" der märkischen Union. Vielleicht ein künftiger CDU-Minister? Die vielsagende Antwort: "Wer weiss . . . ".

Rund 30 Fernsehteams, Fotoreporter und Journalisten gingen vor der Glastür zum Ministerpräsidenten-Trakt in der Staatskanzlei jedesmal in lauernde Halbkreis-Stellung, wenn es an der Türe wackelte. Im Hintergrund hing ein Holzschnitt mit dem netten Titel: "Sich zum Narren machen." Wer da wohl gemeint war?

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