Politik : Gut unterrichtet

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HINTER DEN LINDEN

Wie es der Zufall, der traurige, so will: Schule und Gewalt sind nach dem Amoklauf von Erfurt das Thema der Politik von morgen geworden – und Rezzo Schlauch hat einen Termin im College von Salem, der berühmten Bildungseinrichtung am Bodensee. Die Schüler und Lehrer hatten ihn vor geraumer Zeit dorthin eingeladen, um eine Diskussion weiterzuführen, die in Berlin begann. Eine Stunde lang hatte sie damals gedauert, und Anlass waren sehr rechts klingende Sprüche von jungen Männern aus dem Internat gewesen. Das ist etwas, was den ansonsten abgeklärten Fraktionschef der Grünen noch immer herausfordern kann, geradezu jugendlichen Elan bei ihm weckt. Salem wollte ihn gestern gleich Stunden da behalten: Politik als Anschauungsunterricht.

Es sollte wahrscheinlich öfter so sein. Wenn diejenigen, die die Zukunft und die Gesellschaft von morgen gestalten, auf diejenigen treffen, die sie bilden werden, die Gesellschaft, dann müsste uns allen vielleicht weniger bange sein. Prosa und Pisa, dazu Politik ohne Polemik – dafür lohnen Lokaltermine. Beide Seiten würden davon profitieren. Die Politiker werden in einem Maße mit der Wirklichkeit konfrontiert, wie es bei Parteiterminen längst nicht mehr der Fall ist. Da will sich meistens nur eine Seite profilieren. Während die kommende Generation es mehr wert ist, dass für sie Partei ergriffen wird.

Videospiele mit Pumpgun und Horror. Zu Gewalt verführte Jugendliche. Was kann die die Politik tun? Die Fragen an die Politiker sind dringend, werden drängend. Erfurt ist überall gegenwärtig, auch am Bodensee. Rezzo Schlauch wird in Salem etwas gelernt haben. Stephan-Andreas Casdorff

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