Politik : Gute Lehrer – starres System

Anja Kühne

Berlin - Deutsche Lehrer sollen ihre Leistungen überprüfen lassen, damit sie sich für ihre Arbeitsergebnisse stärker verantwortlich fühlen. Es gilt als wahrscheinlich, dass dies eine der OECD-Empfehlungen sein wird, die am Mittwoch von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt werden. Der Bericht ist Teil eines OECD-Lehrervergleichs in 24 Ländern, der Ende des Jahres veröffentlicht wird.

Der Befund der Experten über die deutsche Lehrerschaft ist im wesentlichen schon vor fast einem Jahr durch einen Zwischenbericht bekannt geworden. Darin schreiben die Experten, sie hätten nichts beobachtet, „was hierzulande nicht schon länger bekannt ist“. Sie loben etwa die „Offenheit von Schulen gegenüber Reformen“, heben hervor, dass Schulleiter hierzulande „meistens ausgezeichnete Pädagogen“ sind und dass angehende Lehrer im vorbereitenden Referendariat sowohl praktisch als auch theoretisch geschult werden.

Kritisch vermerken die Experten jedoch, dass es im deutschen Bildungssystem noch keine Rechenschaftslegung der Lehrer und der verantwortlichen Verwaltung gebe. Das würde aber nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch das Image der Lehrer steigern. Die OECD kritisiert auch „hohe Barrieren“ zwischen den Schulformen. Auch befänden sich „hochengagierte Kollegien in einem unflexiblen Systen von Verwaltung und Besoldung“. Kritisch bewerten sie auch den vorwiegend negativen Ton der deutschen Bildungsdebatte, der die Stärken des Systems nicht berücksichtige.

Vor wenigen Tagen hatte der OECD-Experte Andreas Schleicher der KMK vorgeworfen, sie hätte die seit März vorliegende offizielle Version des Berichts „kommentarlos verschwinden lassen“. Dagegen verwahrt sich Erich Thies, der Generalsekretär der KMK. Die KMK habe mit der OECD verabredet, dass die Bundesländer bis August Gelegenheit erhalten, auf die Ergebnisse zu reagieren. „Wir drücken uns nicht“, sagte Thies dem Tagesspiegel am Sonntag.

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