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Guttenberg-Berufung : EU-Kommissarin suchte "nach Talent, nicht nach Heiligen"

EU-Kommissarin Kroes, zuständig für Digitales, hat einen neuen Berater für Internetfreiheit. Guttenberg gibt den seriösen Staatsmann und lässt sich auch durch hämische Fragen nicht aus der Fassung bringen.

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Neuer Look, neuer Versuch. Karl-Theodor zu Guttenberg meldete sich im kanadischen Halifax zurück auf der Bühne der internationalen Politik.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
20.11.2011 09:28Neuer Look, neuer Versuch. Karl-Theodor zu Guttenberg meldete sich im kanadischen Halifax zurück auf der Bühne der internationalen...

Es ist ein wohlkalkulierter Coup. Und EU-Kommissarin Neelie Kroes gibt sich kaum Mühe, das zu verschleiern. „Es ist schön zu sehen“, sagt ihr Sprecher, als Kroes und ihr prominenter Gast den Pressesaal betreten, „dass sich so viele für die Freiheit des Internet interessieren“. Da das offensichtlich nicht so ist, huscht der Niederländerin ein Lächeln über das Gesicht, und Karl-Theodor zu Guttenberg tut es ihr nach. Die Kameras sind nur wegen ihm da – und alle wissen es.

Auf dem Podium stehen zwei, die öffentliche Aufmerksamkeit brauchen wie die Luft zum Atmen. Die EU-Initiative, mit der Oppositionsgruppen in Diktaturen geholfen werden soll, staatliche Internetsperren zu umgehen, gerät dabei zur bloßen Kulisse zweier Selbstdarsteller: Sie, als mächtige Wettbewerbskommissarin einst eine feste Brüsseler Größe, mit der nebulösen Zuständigkeit für die „digitale Agenda“ aber fast in der Versenkung verschwunden, hat gerade ihren langjährigen Pressesprecher gefeuert, um mit neuem Personal trotz Eurokrise wieder in die Medien zu kommen. Er, wegen des erschummelten Doktortitels unehrenhaft aus der deutschen Politik verabschiedet, hat sich nach mehrmonatiger Schamfrist mit einem Auftritt in Kanada, einem Zeitungsinterview in einer Londoner Hotelsuite und dem daraus entstandenen Buch mit dem vielsagenden Titel „Vorerst gescheitert“ wieder zurückgemeldet.

Nun also Guttenbergs erster öffentlicher Auftritt in Europa. Die EU-Kommissarin, die Guttenberg schon vor dem Sommer auf eine Zusammenarbeit angesprochen haben will, geht locker über die Frage hinweg, ob sich die so auf Seriosität bedachte Brüsseler Behörde mit dieser Personalie einen Gefallen tut: „Ich will keine Heiligen, sondern Talente.“ Ihr Boss José Manuel Barroso zumindest ist seiner Sprecherin zufolge nicht vorab informiert gewesen.

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