Guttenbergs Beliebtheit fällt : Plagiatsaffäre zeigt Wirkung

Guttenberg bleibt trotz der Affäre um seinen aberkannten Doktortitel Deutschlands beliebtester Politiker. Doch seine Werte sinken.

Die Plagiatsaffäre kratzt am Image des Verteidigungsministers Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU). Wie aus dem aktuellen Politbarometer im Auftrag des ZDF und des Tagesspiegels hervorgeht, bleibt Guttenberg zwar auch ohne Doktortitel ganz knapp Deutschlands beliebtester Politiker – allerdings besetzt er die Spitzenposition weit weniger souverän als in den vergangenen Monaten. Nachdem der Verteidigungsminister seit Mai 2010 mit Ausnahmewerten alle anderen Politiker weit distanzieren konnte, entspricht seine Beliebtheit jetzt in etwa der Popularität der Kanzlerin, die sich ihrerseits sichtbar verbesserte. Guttenbergs Note fiel auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf seit Anfang Januar von 2,5 auf 1,4.

Zwar sehen in der Causa Guttenberg nicht wenige Bundesbürger die Glaubwürdigkeit des Ministers dauerhaft beschädigt, allerdings sind die Rücktrittsforderungen schwach. 42 Prozent der Deutschen – darunter 55 Prozent der Akademiker – glauben, dass die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsministers dauerhaft infrage gestellt ist. Dagegen bezweifelt insgesamt eine Mehrheit von 55 Prozent, dass Guttenberg nach der Diskussion um seine Doktorarbeit ein irreparables Integritätsproblem haben wird. Einen Rücktritt des Ministers fordern nur 22 Prozent der Befragten, während 75 Prozent gegen einen solchen Schritt sind. 60 Prozent sehen Guttenberg immer noch für höchste Ämter geeignet.

Nach ihrem Erdrutschsieg bei der Wahl in Hamburg am vergangenen Sonntag verspürt die SPD auch im Bund zunehmend Rückenwind. Wäre an diesem Sonntag Bundestagswahl, würden sich die Gewichte im rot-grünen Lager deutlich zugunsten der Sozialdemokraten verschieben. Die SPD verbesserte sich im Vergleich zu Anfang Februar um zwei Punkte auf 29 Prozent. CDU/CSU kommen unverändert auf 36 Prozent. Die Grünen, die in der Hansestadt unter ihren Erwartungen geblieben waren, verschlechterten sich um zwei Punkte auf 15 Prozent. Die FDP bleibt bei fünf Prozent, die Linke bei neun Prozent. Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 22. und 24. Februar insgesamt 1306 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. (Tsp)

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