Politik : Gymnasiale Oberstufe: "Zwei Sprachen müssen Pflicht sein"

Uwe Schlicht

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Stuttgarter Kultusministerin Annette Schavan fordert eine Reform der Oberstufenausbildung an den Gymnasien. Die Oberstufenreform sei "eine Reform des 20. Jahrhunderts, sie muss jetzt auf den Prüfstand", sagte Schavan dem Tagesspiegel. Die Reform von 1972 habe "ein Maß an Spezialisierung gebracht, das zwar zu immer umfangreicheren Lehrplänen und immer mehr Schulfächern, aber nicht zu mehr Qualität geführt hat". Schavan, die derzeit auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz der Länder ist, zeigte sich überzeugt davon, dass "wir eine Neuordnung der Oberstufe brauchen".

Mit dieser Neuordnung müssten Grundlagen gestärkt und Spezialisierungen abgebaut werden, sagte die Ministerin. Zwar könne es auch in dieser reformierten Oberstufe Schwerpunkte im sprachlichen, naturwissenschaftlichen Profil oder auch in einem musischen Profil geben. "Aber gleichwertig sind eben nicht alle Fächer."

Schavan bezeichnete sieben Schulfächer als vorrangig, die in einem neuen Kanon verbindlich gemacht werden müssten: Deutsch, Mathematik, zwei Naturwissenschaften, zwei Fremdsprachen und Geschichte. "Sie gehören durchgängig bis zum Abitur belegt, und zum Abitur gehören dann fünf Prüfungsfächer."

Für die Naturwissenschaften nannte sie als Begründung, endlich aus den für Deutschland so negativen Ergebnissen der international vergleichenden Untersuchungen in Mathematik und Naturwissenschaften (TIMS-Studie) die Konsequenzen zu ziehen. Sonst würden die Nachwuchsprobleme in den Natur- und Ingenieurwissenschaften immer größer. Schavan sagte weiter, in einem zusammenwachsenden Europa sei das Beherrschen mehrerer Fremdsprachen unumgänglich geworden, die erste und zweite Fremdsprache sollten daher bis zum Abitur unterrichtet werden.

Das System der gymnasialen Oberstufe mit Grund- und Leistungskursen hält Schavan für überholt. "Leistungskurse waren vielfach zu sehr spezialisiert. Das gilt ganz besonders für die Naturwissenschaften, in denen nur zehn Prozent der Oberstufenschüler einen Leistungskurs belegen. Damit sind für 90 Prozent der Gymnasiasten die Naturwissenschaften in die Ecke gedrängt - mit verheerenden Konsequenzen für die Wissenschaftsgesellschaft."

Schavan forderte eine allgemeine Bildungsdebatte. "Es ist nach 30 Jahren an der Zeit, eine wirkliche Vergewisserung über Bildungsinhalte in Gang zu setzen. Für mich gilt quer durch alle Fächer und Fachbereiche: Wir brauchen einen Weg hin zu mehr Konzentration, zur Stärkung von Orientierung, zur Stabilisierung eines Fundaments."

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