Politik : Gysi sieht noch Chance für Linksbündnis

Der frühere PDS-Vorsitzende Gregor Gysi hält ein Bündnis seiner Partei mit der linken Wahlalternative WASG bei einer Bundestagswahl im Herbst weiterhin für machbar. Zwar reiche die Zeit für eine Vereinigung nicht, doch andere Möglichkeiten müssten "geprüft und ausgelotet werden".

Berlin (25.05.2005, 14:28 Uhr) - «Ein Bündnis bei Wahrung des Rechts» sei durchaus möglich, teilte Gysi mit. Dabei könnte es sich um Formen der Zusammenarbeit handeln, die anders gestaltet seien als das vom Wahlrecht nicht erlaubte Listenbündnis, hieß es aus der Partei.

Nach einem Zeitungsbericht werden der SPD-Abtrünnige Oskar Lafontaine und der PDS- Politiker Gregor Gysi an diesem Montag über eine neue Linkspartei beraten. An dem Spitzentreffen sollten «alle Hochkaräter von PDS und WASG» teilnehmen, sagte Bundesvorstand der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG), Axel Troost, der Berliner «Tageszeitung». Troost bekräftigte, dass die WASG kein Anhängsel auf einer PDS-Liste» sein werde. Es müsse ein neues Konstrukt mit neuem Namen geben.

«Es wäre nicht gut, wenn sich die linken Parteien und Strukturen in Deutschland auseinander dividieren in West und Ost», sagte der PDS-Wahlkampfleiter Bodo Ramelow. «Daher sind wir sehr an Gesprächen mit der Wahlalternative interessiert und werden sie auch führen.» Die PDS werte auch das mögliche Engagement von Oskar Lafontaine für ein Linksbündnis aus Sozialisten und Wahlalternative «als ein ernstes Angebot», sagte Ramelow, der PDS-Fraktionsvorsitzender in Thüringen ist. Lafontaine hatte eingeschränkt, er stehe nur zur Verfügung, wenn es eine gemeinsame Liste für eine vorgezogene Wahl gebe.

Nach Ansicht des Tübinger Politologen Josef Schmid stellt ein lilnkes Wahlbündnis kaum eine Gefahr für die SPD dar. «Die Stimmen für ein solches Bündnis würden wohl kaum zulasten anderer Parteien gehen», sagte Schmid. «Im Osten würde die Partei auf das PDS-Stammpublikum zählen können, im Westen hauptsächlich auf Ex-SPDler, die bei der Wahl sonst eher zu Hause bleiben würden.» Ohnehin würde ein solches Bündnis wohl an der Fünfprozenthürde scheitern. «Jetzt wird eine Elefantenhochzeit aufgeführt, da spielen die kleineren Tiere keine Rolle - so wird das derzeit von der SPD inszeniert», sagte Schmid. Extreme hätten Zulauf in Zeiten, wenn sich die Großen zu sehr annäherten. «Aber wenn die Wähler das Gefühl haben, jetzt kommt es drauf an, stimmen sie lieber wieder für ihre Großpartei.»

(tso)

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