Politik : Gysi will Führung im kleinen Kreis bestimmen

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Berlin - Knapp ein halbes Jahr vor der Neuwahl der Linken-Führung auf einem Bundesparteitag in Göttingen streben Spitzenpolitiker rasche Vorentscheidungen an. Gregor Gysi, Vorsitzender der Bundestagsfraktion, warb am zweiten Weihnachtsfeiertag in Gesprächen mit den Nachrichtenagenturen dpa und dapd dafür, bis Mitte Januar „eine entsprechende Lösung“ zu finden. „Man sollte sich in einem gewissen Kreis verständigen“, sagte er.

Zugleich heizte Gysi die Debatte über eine Rückkehr von Exparteichef Oskar Lafontaine auf die Bundesbühne an. Dieser sei in seiner derzeitigen Position als Fraktionschef im Saarland „ein bisschen unterfordert“ und könne „selbstverständlich“ nach der nächsten Bundestagswahl wieder eine hohe Position unter den Linken-Abgeordneten übernehmen.

Gysi ging damit auf Abstand zu der zunächst auch von ihm unterstützten Forderung, über die künftigen Vorsitzenden – die Amtszeit von Klaus Ernst und Gesine Lötzsch endet im Juni 2012 – per Mitgliederbefragung zu entscheiden. Auch Lafontaine ist gegen ein solches Mitgliedervotum zu Personalfragen, das inzwischen allerdings mehrere Landesverbände vor allem aus Ostdeutschland beantragt haben. Parteichef Ernst sagte, er erwarte, dass in Göttingen „in großer Einmütigkeit“ eine „plurale und kooperative Führung“ gewählt werde. Über einen vorgeschalteten Mitgliederentscheid dazu werde vom Parteivorstand ausschließlich nach formalen und juristischen Kriterien entschieden.

Lötzsch, neben Vizefraktionschef Dietmar Bartsch bisher einzige Bewerberin für die nächste Doppelspitze, sagte in der „taz“, im Moment sehe es so aus, als werde das Quorum für einen Mitgliederentscheid zur Führung erreicht. „Von daher geht es jetzt gar nicht mehr darum, sich dafür oder dagegen auszusprechen – er wird einfach stattfinden.“ Matthias Meisner

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