Politik : Habemus

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was eine Krönungsmesse eigentlich ausmacht, weiß in diesen unseren Tagen fast keiner mehr. Es mangelt an der Augenzeugenschaft. Monarchien sind rar, und in den wenigen, die wir im näheren europäischen Umkreis noch haben, vollzieht sich die Thronfolge in großen Abständen. Früher war das anders. Die Lebenserwartung der Könige unterlag starken Schwankungen, war aber im Durchschnitt eher kurz, weil immer irgendjemand nicht warten wollte, bis die genealogische Reihe an ihn kam. Eine Krönungsmesse fiel entsprechend öfter einmal an. Jedenfalls hatten wir das bisher so angenommen. Doch jetzt hat uns Christian Wulff eines anderen belehrt: Die Krönungsmesse lebt! Denn wie sagte der CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen? „Wahlen sind die Krönungsmessen der Demokratie.“

Dass uns das bisher nicht aufgefallen ist, mag daran liegen, dass wir unter einer Krönungsmesse einen Akt verstanden haben, der den Beginn einer Herrschaft markiert, während der Vorgang der Stimmabgabe, jedenfalls aus unserer bescheidenen Wählersicht, eher der Demission entspricht. Das mag ein Mann mit berechtigter Aussicht auf den Thron zu Hannover anders sehen. Trotzdem – es fehlt in Wulffs Vorstoß das Feierliche. Da muss er dran arbeiten. Wir empfehlen den Blick nach Hessen, auf den Ablaufplan für Roland Kochs Wahlkampfschluss in Frankfurt. Der beginnt mit „Einmarsch“ und endet mit „Nationalhymne“, und dazwischen reden: Roland Koch, Angela Merkel, Edmund Stoiber, Erwin Teufel, Ole von Beust, Peter Müller und Bernhard Vogel. Fehlen nur noch die CDU-Regierenden von Sachsen und Sachsen-Anhalt zur kompletten Krönungsmesse.

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