Haftentlassung : Ex-Terrorist Christian Klar ist frei

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar ist wieder auf freiem Fuß. Er war wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden und länger als jedes andere Mitglied der Terrorgruppe im Gefängnis.

JVA Bruchsal
Die JVA Bruchsal im Morgengrauen. Christian Klars Weg in die Freiheit. -

Karlsruhe Kein Blitzlichtgewitter, keine Kamerateams, keine Journalisten. Was sich monatelang in den Medien angekündigt hatte, was für politische Debatte und Rechtsstreit gesorgt hatte, ging am Freitag im Gefängnis von Bruchsal bei Karlsruhe unspektakulär über die Bühne.

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar wurde am frühen Morgen ein letztes Mal aus seiner Zelle abgeholt, er mag noch seine Kleidung gewechselt und sein persönliches Hab und Gut an sich genommen haben. Dann öffneten sich für den berüchtigsten deutschen Häftling die Türen der Haftanstalt – Christian Klar ist frei.

Klar hatte in der Haft gearbeitet, daher konnte er durch seinen angesparten Urlaub – sogenannte Freistellungstage – einige Tage früher freigelassen werden. Klar steht für fünf Jahre unter Bewährung. Das hat das Oberlandesgericht Stuttgart festgelegt. Die genauen Bewährungauflagen sind nicht veröffentlicht, doch dürfte dazu die Pflicht gehören, sich bald mit einem Bewährungshelfer in Verbindung zu sehen. Für die ersten Monate in Freiheit dürften vierzehntägige Treffen mit dem Bewährungshelfer vorgesehen sein, später monatliche. Außerdem wird Klar dazu verpflichtet sein, Adressenänderungen, die Aufnahme von Arbeit und den Wechsel der Arbeitsstelle dem Bewährungshelfer mitzuteilen. Dazu jedenfalls hat das Oberlandesgericht Stuttgart die ehemaligen RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im Februar verpflichtet. Sie war unter ähnlichen Umständen entlassen worden wie jetzt Klar.

Klar hat das System bekämpft, das ihm nun die Freiheit schenkt

Mehr als 26 Jahre saß er seine Strafe hinter Gittern ab. Kein RAF- Komplize büßte länger – allerdings trug auch niemand eine so schwere Schuld an Anschlägen der RAF wie der heute 56-Jährige. Klars Spur könnte sich nun schnell im Alltag verlieren, wenn er nicht selbst durch die TV-Shows tingelt. Sein Anwalt betonte jedenfalls, dass Klar künftig von sich nicht die Öffentlichkeit suche. „Er wird auf gar keinen Fall in Talkshows auftreten oder Interviews geben“, unterstrich Heinz-Jürgen Schneider. Klars frühere RAF-Komplizin Brigitte Mohnhaupt hat es erfolgreich vorgemacht: Seit sie im März 2007 die Gefängnismauern hinter sich ließ, ist von der heute 59-Jährigen kaum noch etwas zu hören.

Lange hatten Gutachter, Justiz und Politik gerungen: Gutachter stuften eine Rückfallgefahr des Ex-Terroristen als sehr niedrig ein, Hafterleichterungen standen daher 2007 an – ausgerechnet im Gedenkjahr „30 Jahre Deutscher Herbst“. Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) hatte Bauchschmerzen. Der FDP-Politiker machte Lockerungen von einem zusätzlichen Gutachten abhängig – das Klar aber ablehnte.

Aus seiner Zelle heraus tat Klar nur wenig, um Goll umzustimmen. Im Gegenteil: Er hoffe, die Zeit sei ge kommen, „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden“, ließ er Anfang des Jahres 2007 im Slang seiner erkalteten RAF-Ideologie verlauten. Keine Reue, kein Bekenntnis, kein Wort der Entschuldigung an die Angehörigen der Opfer. Die Folge: Anfang Mai 2007 lehnte Bundespräsident Horst Köhler das Gnadengesuch Klars ab, während die frühere Komplizin Brigitte Mohnhaupt vorzeitig aus der Haft entlassen wurde.

Dennoch: Für viele – auch für Nachkommen von RAF-Opfern – ist die Entlassung Klars ein später Sieg des Rechtsstaats. Fanatisch und skrupellos hatte Klar das „System“ bekämpft, das ihm jetzt die Freiheit wiedergibt.

„Ich habe schon immer gesagt: Bei den RAF-Terroristen handelt es sich um gemeine, kriminelle Verbrecher“, sagte Jörg Schleyer, Sohn des von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. „Dann kann man ihnen die Vorzüge, die ein Rechtsstaat bietet, nicht verwehren.“ dpa/ddp/wvb

0 Kommentare

Neuester Kommentar