Haider-Begräbnis : Wie ein Staatsakt

30.000 Menschen kamen zum Begräbnis von Jörg Haider – auch der Sohn des libyschen Revolutionsführers Gaddafi war dabei.

Markus Huber[Wien]

Seit Mitternacht war die gesamte Klagenfurter Innenstadt für den Verkehr gesperrt, nur Lieferanten und Marktfahrer durften laut Polizei die Verkehrssperren passieren, aber viel zu tun hatten die wohl nicht, denn an einen normalen Marktbetrieb war am Samstag in Klagenfurt nicht zu denken. Klagenfurt, die Hauptstadt des Bundeslands Kärnten, war am Samstag im Ausnahmezustand – wegen Jörg Haider.

30 000 Besucher waren zum Begräbnis des am vergangenen Samstag verstorbenen Rechtspopulisten gekommen. Bundespräsident Heinz Fischer und die gesamte österreichische Bundesregierung waren darunter, aber auch tausende Kärntner. Trachtenkapellen waren aufmarschiert, Verbindungsstudenten und zahlreiche Vertreter der europäischen Rechten. Sogar Saif Gaddafi, der Sohn des libyschen Revolutionsführers war da – er gilt als enger persönlicher Freund Haiders. Die Bundesbahnen hatten Sonderzüge organisiert, ein Gratis-Bus-Shuttle brachte die Trauergäste in die Stadt, und überall in Klagenfurt waren große Videoleinwände aufgestellt, um die Zeremonie zu übertragen – der Neue Platz, auf dem die Verabschiedung stattfand, ist nämlich nicht besonders groß. Vor dieser Kulisse wurde das Begräbnis zu einem Staatsakt, eine Trauerfeier ungleich größeren Ausmaßes, als sie der 2005 im Amt verstorbene Bundespräsident Thomas Klestil erhalten hatte. Das österreichische Staatsfernsehen ORF übertrug die Veranstaltung in voller Länge. Acht Redner verabschiedeten sich bei der Trauerfeier am Neuen Platz vom Landeshauptmann, die überwiegende Mehrheit davon waren langjährige Weggefährten des Rechtspopulisten wie der ehemalige Justizminister Dieter Böhmdorfer oder Haiders Nachfolger an der Kärntner Landesspitze, Gerhard Dörfler. In ihren Trauerreden zeichneten sie das Bild eines Visionärs, der Kärnten, eine an sich rückständige Gegend Österreichs, wirtschaftlich nach vorne gebracht hat. Haider wäre „der Landeshauptmann der Herzen“ gewesen, sagte Landeshauptmann Dörfler. Ähnlich hatte seinerzeit Tony Blair die ebenfalls bei einem Autounfall verstorbene Lady Di bezeichnet.

In den offiziellen Stellungnahmen nach seinem Tod wird Haider immer mehr zu einer Überfigur, das wurde auch bei seinem Begräbnis deutlich. Das liegt vor allem daran, dass die Deutungshoheit über sein Wirken zur Zeit vor allem Haiders Parteifreunden überlassen wird, die in ihm den Retter des Rechten Lagers in Österreich sehen. Unbestritten war Jörg Haider tatsächlich eine der bedeutendsten politischen Figuren der österreichischen Nachkriegsgeschichte, und er hat das Land tatsächlich geprägt, aber eben nicht nur im positiven Sinn. Im Moment verschwinden post mortem alle Kritikpunkte an seiner Politik, da sich die alten Haider-Gegner aus Pietätsgründen zurücknehmen. Die Kritikpunkte an seiner Politik bleiben freilich bestehen – von seiner rigiden Ausländerpolitik bis hin zu seiner bis zu letzt undifferenzierten Haltung zu den Nationalsozialisten.

Mit großem Interesse wird in Österreich derzeit aber auch der mediale Umgang mit dem Phänomen Haider betrachtet. Bis dato haben sich die Österreichischen Medien merklich zurück gehalten. Doch je länger sein Unfalltod zurückliegt, desto mehr wird über Haiders Privatleben spekuliert. Boulevardblätter haben sich mittlerweile einen Sport daraus gemacht, Haiders letzte Stunden zu durchleuchten. Dass er mit 1,8 Promille unterwegs war, als er am vergangenen Samstag verunglückte, ist mittlerweile allgemein bekannt. Nun wird aber versucht zu recherchieren, wo er die letzte Stunde seines Lebens verbracht hat. Offenbar hatte sich Haider am vergangenen Freitag Abend nach einer offiziellen Veranstaltung noch in eine Szenebar zurückgezogen. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Geschehnisse in dieser Bar ans Licht kommen.

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