Politik : Haider beim Papst: Nur einer unter vielen

Werner Raith

Mit einem massiven Polizeiaufgebot sichern Roms Ordnungshüter den Besuch des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider dieses Wochenende beim Papst ab: Anlass ist die Übergabe eines Weihnachtsbaums vor den Petersplatz, ein schon vor Haiders Amtsübernahme mit dem österreichischen Bundesland vereinbartes Geschenk.

Die Edeltanne selbst war schon vor einer Woche nächtens in die Heilige Stadt transportiert worden. Sie wird streng bewacht. Bereits seit Wochen gibt es massive Proteste aus der jüdischen Gemeinde Roms, den Partisanenverbänden und den Vereinigungen von Opfern des Faschismus sowie von Immigrantengruppen. Am Donnerstagabend hatten Tausend Römer nach einem Fackelzug vor dem Vatikan gegen den Besuch Haiders protestiert. Sie rufen zum Protest auf: Als Zeichen des Unmutes sollen die Römer ihre Fenster und Läden zu jener Zeit schließen, in der Haider durch die Straßen zum Papst fährt.

Haider selbst tut alles, die Wut der Italiener auf die Spitze zu treiben: Bereits am Wochenanfang zieh er in Jesolo Italien der "viel zu großen Nachsicht" mit Einwanderern und zog sich daraufhin eine massive Rüge des italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi zu - was er wiederum mit der Bemerkung quittierte, der Mann sei halt ein Linker - was gar nicht stimmt - und reagiere eben so auf einen Rechten. Danach behauptete Haider, in Fragen der Einwanderung und der Abschottung von fremden Kulturen mit dem Papst völlig einig zu sein. Und das hat nun den Heiligen Stuhl zu einer Maßnahme getrieben, die dieser nur äußerst selten anwendet: Das vorher eher wie eine Begegnung zweier souveräner politischer Führer geplante Treffen wurde zur "rein pastoralen Audienz mit mehreren Personen" herabgestuft. Dazu veröffentlichte der Vatikan auch noch eine für die nächsten Tage vorgesehene Rede des Papstes zur Frage der Immigration und Toleranz - mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass der Heilige Vater eine völlig andere Position vertrete als Haider. Und: "Der Heilige Vater wird anlässlich der Begegnung mit Haider die Respektierung der Menschenwürde und des Glaubens auch bei Immigranten anmahnen - gleich, ob diese sich legal oder illegal hier befinden."

Inzwischen hat der Besuch auch innenpolitisch zu schweren Auseinandersetzungen geführt. Der Chef der oberitalienischen Liga Nord, Umberto Bossi, sprach dem Staatspräsidenten das Recht zur Rüffelung Haiders ab ("Einmischung in die Politik") und nannte die Worte des Papstes schlichtweg "Geschwätz". Das aber hat ihm nun auch den Unmut seiner politischen Allierten zugezogen. Besonders wütend ist Oppositionsführer Silvio Berlusconi, der den Eintritt der Liga in das Bündnis für die Wahl 2001 mit einer "Garantie für das Wohlverhalten" Bossis gegen manche Bedenken insbesondere der moderaten Kräfte der Rechten durchgesetzt hatte.

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