Haider-Film : Verklärung eines Populisten

Vor knapp zwei Monaten raste Jörg Haider in den Tod. Sein Nachfolger an der Spitze des BZÖ wurde Stefan Petzner. Doch als Petzner in Interviews über seine innige private Beziehung zu Haider berichtete, musste er zurücktreten. Nun hat Petzner seinem "Lebensmenschen" ein filmisches Denkmal gesetzt.

Achim Fehrenbach
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So preist das BZÖ den Haider-Film auf seiner Homepage an. -Screenshot: tso

Der 14-minütige Film trägt den Titel "In seinem Geist mit neuer Kraft" und ist eine Aneinanderreihung der wichtigsten Stationen aus Haiders politischem Leben. In schnellen Schnitten und zu poppiger Musik lässt er die Höhen und Tiefen der für Österreich einmaligen Politiker-Karriere Revue passieren - wobei selbst Haiders Niederlagen heldisch verklärt werden.

"In seinem Geist ..." beginnt mit dem Aufstieg Haiders zum Vorsitzenden der Freiheitlichen Partei Österreichs, zeigt den rapiden Stimmenzuwachs der FPÖ und ihren Absturz, nachdem es bei der Knittelfelder Parteiversammlung zum Putsch gekommen war: Die Regierungskoalition mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zerbricht, es kommt zu Neuwahlen und die FPÖ sackt von knapp 27 auf 10 Prozent der Wählerstimmen ab.

Petzner rückt sich in den Vordergrund

In Petzners Film ist das aber nur ein vorübergehender Tiefpunkt in Haiders Karriere. "Die Wende für Österreich wird fortgesetzt", behauptet der Film und zeigt Haider als Stehaufmännchen, dass unverdrossen Hände schüttelt (Dalai Lama), Wählern sein Ohr leiht und im orangefarbenen Trikot an einem Berglauf teilnimmt. 2005 gründet Haider das "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) und wird aus der FPÖ ausgeschlossen. Es folgen Jubelbilder "unerwarteter" Wahlerfolge und Szenen der Fußball-Euromeisterschaft 2008, die "Jörg Haider nach Kärnten geholt hat".

Die Trauer um Jörg Haiders Unfalltod verarbeitet der Film in Zeitlupe und Schwarzweiß, nicht ohne am Ende die politischen Erben des Populisten in den Vordergrund zu rücken: allen voran natürlich Stefan Petzner. Der hatte vom Parteivorsitz zurücktreten müssen, nachdem er in emotionalen Interviews Jörg Haider als seinen "Lebensmenschen" bezeichnet und Details ihrer angeblich homoerotischen Beziehung offengelegt hatte.

Inzwischen scheint Petzner in der BZÖ eine neue Rolle gefunden zu haben: als Wahlkampfleiter für die Kärtner Landtagswahl im März 2009. Die Doku über Haiders Leben ist auf der Partei-Homepage abrufbar. Auf Wahlplakaten werde Haiders Porträt allerdings nicht zu sehen sein, so Petzner: "Das wäre pietätlos."

Youtube-Videos zum Film

Teil 1

Teil 2

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