Politik : Haiders Schwester führt die FPÖ

Markus Huber[Linz]

Keine aufwändigen Lichtspiele, keine aufputschende Popmusik, noch nicht einmal Einspielfilme. Als sich die FPÖ-Parteispitze am Samstag in Linz in Oberösterreich traf, fehlten all diese sonst fixen Bestandteile der Inszenierung der FPÖ – damals, als die FPÖ am Höhepunkt ihres Erfolges war.

Nun ist das anders, und die Partei nicht nur bei den Wahlen, sondern offenbar auch in ihrer Inszenierung bei ihren Wurzeln angelangt. Darum passte es, dass dieses Mal eine Blaskapelle den Einzug der neuen Parteichefin Ursula Haubner (58) musikalisch untermalte. Die Sozialstaatssekretärin mit mütterlicher Ausstrahlung soll nun als vierte Parteichefin in vier Jahren die FPÖ wieder einigermaßen sanieren. Ihre größtes Plus dabei ist ihre Familie: Haubner ist die ältere Schwester von Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider. Dieser hatte seine Schwester selbst als Parteichefin vorgeschlagen und in Linz erklärt, er würde ihren Kurs einer stärkeren Zuwendung auf soziale Themen „voll unterstützen“.

Doch schon in Linz wurde klar, dass Haubners Auftrag alles andere als eine leichte Mission werden wird. Schon im Vorfeld musste sie heftig die Attacken des rechten Parteiflügels bekämpfen, der die Partei aus der Regierungsverantwortung nehmen und wieder auf einen streng nationalen Kurs führen wollte. So spekulierte etwa der Vorarlberger Ewald Stadler, in besseren Zeiten FPÖ-Fraktionschef im Wiener Parlament, damit, selbst Haubners Stellvertreter zu werden. Diesen Karrieresprung wollte ihm Haubner – und auch Haider – nicht zugestehen. Als Kompromisslösung wurde nun der Wiener Landesparteichef Heinz-Christian Strache zu einem der beiden Stellvertreter gekürt. Strache ist zwar mit 35 Jahren noch ziemlich jung, sein Weltbild unterscheidet sich aber nur unwesentlich von dem Stadlers. Auch er hatte zuletzt mehrmals angedeutet, dass die FPÖ als Oppositionspartei besser aufgehoben wäre.

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