• Haiders Tentakel in Italien: Die Liga Nord feiert den österreichischen Rechtsaußen - Oppositionsführer Berlusconi verlegen

Politik : Haiders Tentakel in Italien: Die Liga Nord feiert den österreichischen Rechtsaußen - Oppositionsführer Berlusconi verlegen

Werner Raith

Große Aufregung in Italien nach dem Interview des österreichischen Rechtsaußen Jörg Haider im Tagesspiegel vom vergangenen Wochenende: "Er will unbedingt die Südtirol-Frage neu eröffnen", murrt der "Corriere della sera" ob Haiders Statement über die "Selbstbestimmung der Alpenregion", und "la Repubblica" gibt die Essenz von Haiders Worten so wieder: "Der Süden beutet Europa aus."

Regierungssprecher äußern sich irritiert - weniger der starken Sprüche Haiders wegen, als wegen der immer stärkeren Resonanz des sonst fast überall gemiedenen FPÖ-Mannes in Italien. Einladungen zahlreicher Vereine zur Teilnahme an lokalen oder regionalen Festen erreichen Haider fast täglich, wie etwa die des Bürgermeisters von Jesolo bei Venedig, der zur Liga Nord gehört. Derzeit erleben die alten Tendenzen in der Liga eine überwältigende Renaissance. Wozu auch die eher unbedachten Bemerkungen von US-Präsident Bill Clinton über die "Devolution" und die besonders effizienten Regionen des italienischen Nordens ebenso beigetragen haben wie die Lobeshymnen der libyschen Staatschefs Ghaddafi auf den "hohen Wert" lokalpatriotischer Parteien wie der FPÖ oder der Ligen.

Italiens Regierung hat allerdings Mühe, sich klar zu der Ausbreitung Haiderscher Tentakeln zu äußern. Zu sehr fürchtet man, die Bürger des Nordens durch harte Angriffe auf die Liga und ihren neuen Freund Haider gerade in die Arme der Separatisten zu treiben. Derzeit bemüht sich Rom gerade, Abspaltungstendenzen durch Einführung eines "moderaten Förderalismus" die Spitze zu nehmen. Verlegen zeigt sich aber auch Silvio Berlusconi: er hatte sich zu "Garanten" der "antiseperatistischen Wende" der Liga Nord gemacht, um seinen zweiten großen Bündnispartner, die Nationale Allianz, bei der Stange zu halten. Nun trifft ihn gerade von dort besonders harte Kritik: Er sei auf ein durchsichtiges Manöver von Liga-Chef Bossi hereingefallen, dessen "Feeling" für Haider zeige, daß der Separatismus der Nordlichter mitnichten überwunden sei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar