Halberstädter Neonazi-Prozess : Zeuge belastet Hauptangeklagten

Der Prozess gegen vier Neonazis vor dem Amtsgericht Halberstadt ist heute mit der Anhörung der ersten Zeugen fortgesetzt worden. Sie sollen im Juni 14 Schauspieler einer Theatergruppe überfallen und verletzt haben.

Magdeburg/HalberstadtDie angeklagten Männer im Alter von 22 bis 29 Jahren müssen sich seit Dienstag wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, im Juni 14 Schauspieler und Tänzer des Nordharzer Städtebundtheaters überfallen und fünf von ihnen teils schwer verletzt zu haben.

Ein Schauspieler, der nach dem Überfall vier Tage lang im Krankenhaus behandelt werden musste, belastete den 22 Jahre alten Hauptangeklagten. Er sagte, der Angreifer sei ohne Vorwarnung auf ihn zugekommen, habe sich dann aber plötzlich weggedreht und einem Tänzer des Ensembles ins Gesicht geschlagen. Er selbst habe unmittelbar danach von einem weiteren Angreifer, den er nicht identifizieren konnte, einen Schlag auf die Schläfe bekommen und einen Blackout erlitten. An den weiteren Tathergang könne er sich daher nur bruchstückhaft erinnern.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil die Polizei zunächst nicht auf die Hinweise der Opfer reagiert hatte und schließlich einen stadtbekannten und einschlägig vorbestraften Neonazi, der am Tatort von Opfern wiedererkannt worden war, laufen ließ. Zum Prozessauftakt am Dientag hatte dieser eingeräumt, einen der Schauspieler geschlagen zu haben. Die anderen drei Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen.

Das Gericht hat bis Ende Januar insgesamt 16 Verhandlungstage angesetzt. Das Amtsgericht Halberstadt verhandelt aus Platzgründen im Landgericht Magdeburg. (mit ddp)

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