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Warum sich Polen an die Seite der USA stellt

Thomas Roser[Warschau]

An ihrer Bündnistreue zu der in Polen sehr populären Führungsmacht USA lassen Warschauer Regierungs- und Oppositionspolitiker in diesen Tagen keinen Zweifel. Zwar haben sich auch in Polen in Umfragen 51 Prozent der Bevölkerung strikt gegen ein militärisches Eingreifens im Irak ausgesprochen. Doch in den Medien und auf der politischen Bühne wird sowohl der enge Schulterschluss mit Washington als auch die Unterzeichnung der Irak-Erklärung, in der sich acht europäische Nationen für die Unterstützung der USA aussprechen, kaum kritisch hinterfragt. Dass sich der größte EU-Anwärter mit dem umstrittenen Dokument bereits vor dem anvisierten Zutritt zur EU von der Idee einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik verabschiedet hat, stößt in der heimischen Presse auf Zustimmung.

Es sei „gut", dass sich Polens Premier unter den Unterzeichnern der Erklärung finde, kommentierte am Freitag die „Rzeczpospolita“. Weder die französische noch die deutsche Politik dürften das Fundament einer europäischen Politik sein, die die Interessen aller Nationen berücksichtigen müsse: „Die acht Unterzeichner des Briefes haben das gleiche Recht, Europa zu repräsentieren, wie Chirac und Schröder. Dies ist kein Manifest gegen Frankreich und Deutschland, sondern gegen das Regime von Saddam Hussein.“

Traditionell fühlen sich viele Polen oft stärker mit den USA als mit den europäischen Nachbarn verbunden. Schon im 18. Jahrhundert kämpften Polen, deren Land damals von den Nachbarn geteilt und von der Landkarte getilgt worden war, im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die Emigration sollte später die bilateralen Bande noch stärken: Neun Millionen US-Bürger sind heute polnischer Abstammung. Die harte Haltung der USA gegen Moskau während des Kalten Krieges und die bedingungslose Unterstützung der Solidarnosc bescherte Washington an der Weichsel zusätzliche Sympathien.

Nachdem im Januar schon die „New York Times“ darüber spekuliert hatte, dass sich Polen als Alternative für die Stationierung von US-Truppen entwickeln könne, hat in dieser Woche auch Polens Presse über angebliche US-Pläne der Verlagerung von Militär-Stützpunkten aus Deutschland nach Westpolen berichtet. „Das wäre eine riesige Chance für unsere Region,“ freut sich bereits Slawomir Kowal, der Bürgermeister von Zagan.

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