Politik : Halten die USA Russland bereits für ein verlorenes Land? (Kommentar)

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Das Verhältnis ist mies, die Stimmung gereizt. Die gegenseitige Ausweisung von Spionen, nicht ratifizierte Abrüstungsvereinbarungen, US-Pläne für eine vertragswidrige weltraumgestützte Raketenabwehr. Was im Frühjahr Moskaus Kritik am Kosovo-Krieg der Nato war, ist jetzt die westliche Kritik am Tschetschenien-Krieg Moskaus. Jede neue Irritation ist zugleich ein Symptom der Krise und eine Verschärfung der Spannungen. Während die US-Präsidentschaftskandidaten Härte gegen Moskau und Konzilianz gegenüber Peking verlangen, debattiert Amerika offen das Dilemma: Duldet man das Bombardement Grosnys, hilft man Putin und der Sicherheits-Nomenklatura in den Sattel. Rügt man Russland, provoziert man erst recht innenpolitische Triumphe anti-westlicher Hardliner. Wenn Jelzin Amerika nun auch noch vorwirft, den Status Russlands als Welt- und Atommacht zu vergessen, liegt er zugleich richtig und falsch. Er irrt, wenn er Clinton eine Moskau-feindliche Politik vorwirft. Clinton hat eben nicht zum Einfrieren von Russland-Hilfen aufgerufen. Recht hat Jelzin indes, wenn er beklagt, Russland verschwinde vom Radar der westlichen Führungsmacht. In Washington herrscht der Glaube, dass Russland bereits verloren ist.

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