Politik : Hamas will Tod ihres Führers rächen – aber nicht im Ausland

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Ariel Scharons gefrorenes Lächeln ist verschwunden: „Der Ministerpräsident liebt das überflüssige Geschwätz nicht“, hieß es in der Umgebung des israelischen Regierungschefs, nachdem zahlreiche Quellen bestätigt hatten, dass der Auslandsgeheimdienst Mossad den Hamas-Funktionär Scheich Chalil getötet hat.

Andererseits könnte es Scharon gefallen, dass man ihn für die geglückte Aktion verantwortlich macht. Schließlich hat er höchstselbst das Konzept des Mossad geändert. Vor einiger Zeit ernannte er seinen Freund Meir Dagan zum Mossad- Chef mit der Auflage, dass der Haudegen seine Agenten nicht nur als Spione einsetzt, sondern vermehrt wieder für Sondereinsätze – also Liquidierungen von palästinensischen Terroristen.

Chalil war die erste Zielperson. Die Hamasführung im Exil, die seit den Liquidierungen von Scheich Ahmed Jassin und dessen Nachfolger Abdel Asis Rantissi praktisch das alleinige Sagen in der radikalislamistischen Bewegung hatte, zog sofort die Konsequenzen und tauchte unter. Sie hat auch die wichtigste Botschaft Scharons verstanden: Es gibt (fast) keinen Ort auf der Welt, wo der lange Arm des Mossad sie nicht erreicht. Logischerweise dürfte sie deshalb in Iran Zuflucht suchen, einem für den Mossad extrem schwer zugänglichen Land.

Und die politische Hamasführung ging auf die Bremse. Sie dementierte mehrfach die Ankündigung des ihr unterstellten militärischen Flügels, man werde die Tötung von dessen Chef mit Anschlägen im Ausland rächen. Hamas-Politbürochef Chaled Maschal – selbst vor Jahren Ziel eines missglückten Mossadattentats in Amman – gab den Befehl aus: Racheakte nur in Israel und den besetzten Gebieten. Und Arafats Außenminister Nabil Schaat verkündete nach Chalils Tod, dass man der Hamas eine Regierungsbeteiligung angeboten habe. Mahmud al Sahar, Hamas- Chef im Gazastreifen,teilte gleichzeitig mit, seine Organisation werde ganz sicher an den nächsten Wahlen teilnehmen.

Am Montag gab es einen weiteren israelischen Raketenangriff auf ein palästinensisches Auto im südlichen Gaza-Streifen. Im Visier war angeblich Mohammed Abu Nsair, ein Anführer des militanten Volkswiderstandskomitees, der mit zwei weiteren Menschen verletzt worden sein soll. Ein Insasse sei getötet worden, hieß es.

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