Hamburg : Reagierte Polizei zu scharf?

Nach den Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten im Anschluss an die Anti-Asem-Proteste in Hamburg ist ein Streit über das Vorgehen der Beamten entbrannt.

Hamburg - Die Grünen, das globalisierungskritische Netzwerk Attac und das Netzwerk Friedenskooperative - Mitveranstalter der Demonstration zum G8-Gipfel am kommenden Samstag in Rostock - kritisierten das Sicherheitskonzept der Polizei als zu rigoros. Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) betonte dagegen, "das engagierte, professionelle und konsequente Handeln" habe dafür gesorgt, dass die Demonstration am Montagnachmittag weitgehend friedlich verlaufen sei. Auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und die Gewerkschaft der Polizei verteidigten das Vorgehen.

Am Montagnachmittag waren rund 4000 Menschen gegen das Treffen der Außenminister aus den EU-Ländern und Asien in Hamburg auf die Straße gegangen. Begleitet wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot. Die Proteste gelten als eine Art Generalprobe für die Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm kommende Woche. Während es während des Umzugs durch Hamburg - Proteste in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes im Rathaus waren untersagt worden - friedlich blieb, bauten einige hundert Demonstranten am Abend im Schanzenviertel Barrikaden auf und zündeten sie an. Die Polizei ging mit Wasserwerfern vor und nahm 34 Demonstranten wegen Landfriedensbruch, Angriffen auf Polizisten oder der Herstellung von Molotow-Cocktails fest. 86 Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Nach Polizeiangaben wurden zwei Beamte und zwei Demonstranten verletzt. 150 Polizisten hätten Augenreizungen erlitten, weil sie von Demonstranten mit Reizgas besprüht worden seien.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte die Proteste gegen das Asem-Außenministertreffen (Asia-Europe Meeting) grundsätzlich in Frage. "Warum demonstriert man eigentlich gegen eine Konferenz, in der Europäer und Asiaten versuchen, ein gemeinsames Augenmerk auf verschiedene Konfliktherde dieser Welt zu richten?" fragte er. Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte das Polizeiaufgebot während der Demonstration: "Das war ja schon absurd. Man hat die in wirklich menschenleere Gegenden geleitet. Das war eigentlich ein wandelnder Polizeikessel", sagte sie dem Nachrichtensender N24. Detlev von Larcher, Mitglied im Attac-Koordinierungskreis, wies der Polizei im Saarländischen Rundfunk eine Mitschuld an den Ausschreitungen zu: "Man muss dazu sagen, dass das Verhalten der Polizei nun nicht gerade deeskalierend wirkte, sondern geradezu eskalierend." Das Netzwerk Friedenskooperative kritisierte, mit einem martialischen Auftreten der Polizei werde Angst vor der Teilnahme an G8-Protesten geschürt. (tso/dpa)

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