Hamburg : Scholz will an die Macht

Fünf Wochen vor den Bürgerschaftswahlen beschließt die Hamburger SPD Programm und Kandidaten. Olaf Scholz will weder mit den Linken eine Liaison eingehen, noch sieht er die Option einer großen Koalition.

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Olaf Scholz
Olaf ScholzFoto: dpa

Hamburg - Fünf Wochen vor den Bürgerschaftswahlen in Hamburg sonnen sich die Sozialdemokraten im Umfragehoch. Da es nicht auszuschließen ist, dass neben der bisher schon außerparlamentarischen FDP auch die Linke nicht mehr den Einzug ins Hamburger Rathaus schafft, liebäugelt die SPD insgeheim mit der absoluten Mehrheit. Eigene Werte um die 43 Prozent, wie jüngst von Infratest dimap ermittelt, und eine Drei-Parteien-Bürgerschaft wären der Schlüssel zum Erfolg.

Auf ihrem Wahlparteitag zur Aufstellung der Landesliste mochte niemand offen darüber reden, denn nach über neunjähriger Opposition lassen sich Demut und Respekt besser „verkaufen“. Bürgermeisterkandidat Olaf Scholz, mit dem besten Ergebnis von 97,5 Prozent gewählt, macht da keine Ausnahme. Angesprochen auf sein in der Öffentlichkeit zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein, verweist er darauf, dass er sich derzeit nicht auf Umfragewerte konzentriere, sondern auf seinen Wahlkampf im US-Stil von „Townhall-Meetings“, bei denen er in allen Stadtteilen „Bürgern genau zuhöre“. Politprominenz der Bundespartei stört da nur.

Scholz will weder mit den Linken eine Liaison eingehen, noch sieht er die Option einer großen Koalition mit der CDU, die die Meinungsforscher auf 26 Prozent taxieren.

Mit der Präsentation des bisherigen (parteilosen) Handelskammer-Chefs Frank Horch als künftigem Wirtschaftssenator ist dem 52-Jährigen ein strategischer Coup gelungen. Damit streckt er den Bürgerlichen in der Hansestadt die Hand entgegen. Auch die CDU wollte Horch als Spitzenmann von 150 000 Unternehmen in der Elbmetropole im vergangenen Sommer nach dem Rücktritt von Bürgermeister Ole von Beust anwerben, doch nach ersten vielversprechenden Gesprächen hörte er von dort nichts mehr. Dem Vernehmen nach war die anvisierte Personalie bei den mitregierenden Grünen, die derzeit bei 17 Prozent liegen, durchgefallen. Horch als studierter Schiffbau-Ingenieur und Geschäftsführer bei der Werft Blohm & Voss steht wie kein anderer für die Elbvertiefung, die von den Grünen ebenso abgelehnt wird wie seine Pro-Haltung zu Atomkraft- und Kohlestrom. Die viel zitierte „Koch-und-Kellner“-Haltung zwischen SPD und Grünen wird so plötzlich wieder Thema. Und zum Parteitag servierte Scholz noch eine weitere Überraschung: Im maritimen Hamburg hat er den Reeder Erck Rickmers zum Parteieintritt überredet und diesem gleich mit Listenplatz 13 ein sicheres Bürgerschaftsmandat beschert. Auch hier schwebt die Botschaft mit, dass die Schar der Kaufleute und hanseatischen Traditionsfamilien bei der SPD am besten aufgehoben sei.

Die Abteilung Attacke gegen den amtierenden Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) überließ Scholz dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Neumann. Dieser listete penibel die Ahlhaus- Fehltritte auf und nannte ihn einen „Fürst von Monaco für Arme“. Dieter Hanisch

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