Hamburg-Wahl : SPD erkennt bei Naumann Ironie

Am Sonntag wird gewählt in der Hansestadt. Nach einem TV-Duell sehen viele den regierenden Bürgermeister Ole von Beust (CDU) als Favorit. Die SPD sieht das völlig anders.

Dieter Hanisch

Hamburg - Die CDU sieht der Bürgerschaftswahl am Sonntag wesentlich entspannter entgegen als die Sozialdemokraten. „Wir ändern unsere Planung nicht“, sagt Landesgeschäftsführer Gregor Jaecke. „Der Bürgermeister sieht er dem Endspurt mit Gelassenheit entgegen“, betont Clemens Holtmann, persönlicher Referent des Bürgermeisters. „Ole von Beust lässt sich durch Umfragen nicht verunsichern“, beteuerte Holtmann. „Das TV-Duell am vergangenen Sonntag hat uns noch einmal Rückenwind gegeben“, sagt Jaecke. Dabei spielt er auf den verbalen Stolperer des Beust-Herausforderes Michael Naumann (SPD) in seinem Schlussstatement an, als er sich mehrfach versprach und um Worte rang, während der Amtsinhaber fließend seine Wahlbotschaft über die Lippen brachte. Naumann hatte darauf, direkt, nachdem die Kameras ausgeschaltet worden waren, gesagt: „Damit haben Sie die Wahl gewonnen.“

Naumann-Berater Günter Beling spielt das zwei Tage danach herunter. Der Faux-pas sei abgehakt, meinte er. Dass die Einschaltquote mit lediglich 60 000 Hamburger Zuschauern – aber rund 300 000 bundesweit – eher mäßig war, lastet Beling der CDU an, die beim Termin bewusst auf den Tag drängte, an dem parallel in der ARD ein Tatort ausgestrahlt wurde. Die Gratulation Naumanns an Beust bezeichnete Beling als „ironischen Kommentar“.

Die CDU präsentiert am Donnerstag ein weiteres Mal die gebürtige Hamburgerin Angela Merkel. Begleitet wird die Kanzlerin vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Nach Jaeckes Angaben befürchtet die CDU allerdings, dass die Zumwinkel-Affäre zulasten der Wahlbeteiligung gehen könnte. Ein Problem könnte aber auch das neue Hamburger Wahlrecht werden. Am Dienstag gestand Wahlleiter Willi Beiß ein, dass rund 900 falsche Briefwahlunterlagen verschickt worden seien, in mindestens fünf Fällen seien Stimmzettel falsch bedruckt worden, und vielen Hamburgern lagen noch keine Wahlbenachrichtigungen vor.

Die SPD lockt am Freitag noch einmal mit Bundesprominenz. Franz Müntefering soll an der Seite von Hessens SPD- Chefin Andrea Ypsilanti und dem Hamburger Arbeitsminister Olaf Scholz für einen Regierungswechsel in Hamburg werben. Jaecke schreibt es der Nervosität der Sozialdemokraten zu, dass sie selbst am Sonntag noch um Stimmen kämpfen wollen. Die SPD kündigte am Dienstag an, dass sie auf dem legendären Hamburger Fischmarkt um Stimmen werben und zudem nachmittags beim Zweitliga-Fußballspiel vor das St.-Pauli-Stadion ziehen will.

Hinnerk Fock, FDP-Spitzenkandidat, der Grund zur Aufregung hätte, bleibt dagegen gelassen, obwohl seine Partei in Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde liegt. Er hat offen dazu aufgerufen, vom Stimmensplitting zugunsten seiner Partei Gebrauch zu machen. Die Linke bietet am Mittwoch ihre Bundesspitzen Gregor Gysi und Oskar Lafontaine auf. Sie ist nach den aktuellen Umfragen so optimistisch, dass sie am Freitag schon ihre ersten Anträge für die erste Bürgerschaftssitzung präsentieren will. Dieter Hanisch

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