Politik : Handlung mit doppelter Wirkung Moraltheologen bewerten Kondomregel des Papstes

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Berlin - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat das an diesem Mittwoch erscheinende Papst-Buch als „ein großes Geschenk“ bezeichnet. Zu den Äußerungen des Papstes zur Benutzung von Kondomen meinte er: „Gerade diese Stellen des Interviews zeigen die tiefe Einfühlsamkeit des Papstes, der sich auch in schwierige Lebenslagen von Menschen hineindenkt.“ Die Aussagen seien zwar „keine Sensation, aber doch etwas Neues, das man bislang so von einem Papst nicht gehört hat. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Papst Benedikt diese Gedanken noch weiterentwickeln wird, ob sie dann eines Tages auch die förmliche Lehrmeinung der Kirche mitprägen werden und was sie für die pastorale Praxis bedeuten.“

Nach Ansicht von katholischen Moraltheologen betrifft die durch den Papst angestoßene Lockerung des Kondomverbots auch Paare, bei denen ein Partner von HIV infiziert ist. „Wenn ich an einer Stelle den Gebrauch des Kondoms erlaube, um zu verhindern, dass sich die Krankheit Aids weiter ausbreitet, dann ist es zulässig, diese Erlaubnis auch auf Ehepaare zu übertragen, in denen ein Partner an Aids erkrankt ist. Denn auch in diesen Fällen geht es um die Verhinderung der Ansteckung“, sagt Herbert Schlögel, Moraltheologe an der Universität Regensburg.

Die katholische Kirche verbietet den Gebrauch von Verhütungsmitteln wie Pille und Kondome. In dem Buch „Das Licht der Welt“ hat Benedikt XVI. nun aber gesagt, die Benutzung von Kondomen könne in „begründeten Einzelfällen“ erlaubt sein. Wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr zu verringern, könne der Gebrauch von Kondomen „ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität“. Ein begründeter Einzelfall liegt für den Papst vor, „etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann“.

„Der Schutz der Gesundheit verdient den Vorzug vor der Einhaltung der kirchlichen Sexualmoral“, sagt der Tübinger Moraltheologe Dietmar Mieth. Deshalb sei eben auch Ehepaaren die Benutzung von Kondomen erlaubt, wenn sich ein Partner mit HIV infiziert habe. Dass bei diesen Ehepaaren das Kondom dann auch gleichzeitig Verhütungsmittel ist, werde als Nebeneffekt geduldet. In der katholischen Moraltheologie gelte das Kondom in den Fällen, in denen sich dadurch die Ausbreitung einer Krankheit verhindern lässt, als „Handlung mit doppelter Wirkung“, mit einer beabsichtigten, dem Schutz vor Krankheit, und einer in Kauf genommenen Wirkung, der Verhütung. mit dpa

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