Hans-Dietrich Genscher : Standing Ovations für den Befreier

In drei Monaten wird er 87, und gesundheitlich steht es nicht zum Besten – aber wie der ehemalige Langzeitaußenminister Hans-Dietrich Genscher die Freilassung Michail Chodorkowskis eingefädelt hat, erinnert an seine besten Diplomatenzeiten.

Tsp
Hans-Dietrich Genscher am Freitagabend vor dem Berliner Hotel "Adlon"
Hans-Dietrich Genscher am Freitagabend vor dem Berliner Hotel "Adlon"Foto: dpa

Zweimal hat er sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen, hat den Deal in aller Stille eingefädelt. Er habe Genscher aus früheren Zeiten gekannt, sagte Chodorkowski auf der Pressekonferenz am Sonntag. Als man ihm mitgeteilt habe, dass sich Genscher in seinen Fall einschalten wolle, sei er überzeugt gewesen, dass dieser „nichts Schlechtes“ für ihn machen würde. Und es sei noch besser gekommen: „Er hat etwas Gutes bewirkt.“ Das von Genscher vorbereitete Gnadengesuch an Putin sei ihm am 12. November von Anwälten zur Unterschrift vorgelegt worden. Durch die Bemühungen Genschers sei „ein Punkt erreicht“ worden, durch den „die Jukos-Sache“ an ein Ende kommen könne, sagte Chodorkowski. Genscher selbst hat sich bei der Aktion nicht geschont. Laut „Bild am Sonntag“ war er vor gut einem Monat an einer Wundrose, einer Entzündung am rechten Bein, erkrankt. Nach einer Erstversorgung in Hamburg sei Genscher zwei Wochen in der Uniklinik Bonn behandelt worden. Bei der Entlassung vor gut zwei Wochen hätten ihm die Ärzte absolute Schonung verordnet. Dennoch reiste er am Freitag nach Berlin, um Chodorkowski auf dem Flughafen Schönefeld zu begrüßen. Als er am Abend den Flughafen Berlin-Tegel betrat, um in seine Heimatstadt Bonn zurückzufliegen, habe es spontan Standing Ovations der anderen Passagiere gegeben. mit dpa

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