Politik : Hans Eichel und die Hessen-SPD: Applaus in Berlin, Ärger in Hessen

Christoph Schmidt Lunau

Hans Eichel, in den eigenen Reihen unumstrittener Hüter der Bundesfinanzen, hat an der Parteibasis Probleme. Sein Wunsch, bei der nächsten Bundestagswahl in seiner Heimatstadt Kassel als SPD-Wahlkreiskandidat antreten zu dürfen, löst dort nicht nur Begeisterung aus. Noch bevor der SPD-Landesvorsitzende sein Interesse anmelden konnte, hat nämlich der derzeitige sozialdemokratische Wahlkreisabgeordnete, Gerhard Rübenkönig, 58, öffentlich Widerstand gegen Eichels Pläne angekündigt.

Er habe den Wahlkreis Kassel zweimal direkt gewonnen, argumentiert er, vor allem in den ländlichen Gemeinden rund um Kassel bedürfe es seiner erfolgreichen Wahlkreisarbeit: "Will sich das der Bundesfinanzminister zumuten?", fragt der Bundestagsabgeordnete aus Kassel und versichert dem Tagesspiegel: "Ich trete auf jeden Fall an!" Die öffentliche Diskussion hält er sowieso für abträglich und empfiehlt Eichel, auf der Landesliste für den Bundestag zu kandidieren. An dessen unfreundlicher Absicht zweifelt der alte Kämpe, der aus der IG Metall kommt, nicht: "An mehreren Ecken" habe Eichel sein Interesse angemeldet.

Noch eine weitere wichtige Personalie macht dem Bundesfinanzminister in seinem Landesverband zu schaffen: Wer soll bei der Landtagswahl in knapp zwei Jahren für die SPD gegen den amtierenden Ministerpräsidenten, Roland Koch, CDU, kandidieren? Der frühere Innenminister, Gerhard Bökel, 54, hat seit Monaten seine Bewerbung angemeldet. Hans Eichel bedrängt den Offenbacher Oberbürgermeister, Gerhard Grandke, 44, ebenfalls anzutreten. Grandke hat die frühere Industrie- und Lederstadt mit einem harten Sanierungskurs auf den Weg zu einer modernen Dienstleistungsmotropole gebracht und gilt in SPD-Kreisen als der zu Koch "besser passende" Gegenkandidat. Doch für ein "parteiinternes Schaulaufen" stehe Grandke nicht zur Verfügung, heißt es aus Offenbach.

Am Sonntag hat nun der Landesvorstand in Hohenroda ausgerechnet im Saal "Offenbach" über die Strategie für die nächste Landtagswahl beraten. Das dürfte die letzte Gelegenheit für Eichel gewesen sein, eine personelle Alternative zu Bökel ins Spiel zu bringen. Gelingt es ihm trotz eines - wie einige Genossen wissen wollen - Anrufs des Bundeskanzlers bei Grandke nicht, diesen zu einer Kandidatur zu bewegen, bleibe an Bökel der Makel des Verlegenheitskandidaten kleben, wenn er auf dem Parteitag am 16. Juni ohne Alternative gekürt werden sollte. Bis zum späten Nachmittag ist der hessisches Landesvorstand in Hohenroda noch zu keinem überzeugenden Ergebnis gekommen. Aber die Diskussionen in seinem Landesverband sind für Hans Eichel inzwischen schon fast so verzwickt wie Haushaltsberatungen in Berlin.

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