Hans Filbinger : Vom Marinerichter zum Ministerpräsident

Mit dem Tod des früheren Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Hans Filbinger, ist eine der umstrittendsten Personen der Nachkriegspolitik von der politischen Bühne verschwunden.

Freiburg - Um Hans Filbinger (CDU) ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Zuletzt hatte der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg 2004 für Schlagzeilen gesorgt, als seine Teilnahme an der Wahl des Bundespräsidenten heftige Kritik auslöste. Hintergrund der Debatte war abermals seine Tätigkeit als Marinerichter zum Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihn seit seinem Rücktritt 1978 immer wieder einholte. Am Sonntag starb Filbinger im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Freiburg, wie Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) bekannt gab.

Oettinger würdigte Filbinger als "herausragende Persönlichkeit" und "einen Landesvater im besten Sinne". Die Landesregierung gedenke in großer Dankbarkeit und mit Hochachtung des früheren Regierungschefs. In der Landes-CDU bekleidete Filbinger bis zuletzt die Funktion des Ehrenvorsitzenden. Filbingers Verdienste für das Land und die Partei gelten tatsächlich als unbestritten. Dennoch schieden sich an seiner Person stets die Geister.

Matrose Walther Gröger zum Tode verurteilt

Am 7. August 1978 musste Filbinger von seinem Amt als Ministerpräsident zurücktreten. Durch Recherchen des Schriftstellers Rolf Hochhuth, der den Begriff vom "furchtbaren Juristen" prägte, war seine Tätigkeit als Marinestabsrichter im NS-Regime bekannt geworden. Filbinger hatte damals an mehreren Todesurteilen mitgewirkt, unter anderem als Anklagevertreter im Fall des Matrosen Walther Gröger, der 1945 in Oslo zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Vor allem sein Umgang mit dieser Vergangenheit wurde Filbinger zum Verhängnis. Zunächst machte er Erinnerungslücken geltend, später sprach er davon, an Weisungen gebunden gewesen zu sein. Seinen Rücktritt kommentierte Filbinger damals mit den Worten: "Es ist mir schweres Unrecht angetan worden." Bis zuletzt sah er sich als Opfer einer Rufmordkampagne und stellte sich als Richter dar, der mehreren Soldaten und Offizieren das Leben gerettet und sich selbst in Gefahr gebracht habe.

1972 die absolute Mehrheit gewonnen

Filbinger wurde 1913 in Mannheim geboren, studierte Jura und Volkswirtschaft und war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Rechtsanwalt tätig. Von Dezember 1966 bis August 1978 stand er an der Spitze der baden-württembergischen Landesregierung, der er bereits zuvor als Innenminister und Staatsrat angehört hatte. Zunächst führte er eine große Koalition aus CDU und SPD an. Bei den Landtagswahlen 1972 gewann die CDU schließlich die absolute Mehrheit und regierte fortan allein. Filbinger konnte diesen Erfolg vier Jahre später wiederholen.

Als Ministerpräsident veranlasste oder vollendete Filbinger zahlreiche Reformen - etwa in der Verwaltung, im Bildungswesen und im Hochschulbereich. Vor allem sein Engagement für das Zusammenwachsen des Bundeslandes brachte ihm viel Lob ein. Er galt als ein "Baumeister des Südwestens" - nachdenklich und anpackend zugleich. Im Lauf der Jahre wuchs Filbinger in die Rolle eines fast überparteilichen Landesvaters hinein.

"Mit dem Tod endet die Feindschaft"

Nach seinem Rücktritt gründete Filbinger das konservative Studienzentrum Weikersheim, das von Kritikern mitunter als "rechte Kaderschmiede" bezeichnet wurde. Filbinger blieb bis 1997 Präsident dieser Einrichtung. Zu seinem 90. Geburtstag ehrte die Landesregierung den einstigen Ministerpräsidenten mit einem Empfang, was bei SPD, Grünen, Gewerkschaften und antifaschistische Gruppierungen einen Sturm der Entrüstung auslöste.

Am Montag ließ die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt schließlich in Anlehnung an einen Ausspruch des früheren Stuttgarter Bürgermeisters Manfred Rommel (CDU) verlauten: "Mit dem Tod endet die Feindschaft". Sie sprach der Familie Filbingers ihr Beileid aus. (tso/ddp)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben