Hans-Ulrich Klose : "Merkel hat die Herzen geöffnet"

Der SPD-Abgeordnete Hans-Ulrich Klose über den Ton der Kanzlerin vor dem US-Kongress.

Klose
Hans-Ulrich Klose -Foto: Mike Wolff

Die Kanzlerin hat vor dem US-Kongress deutsch gesprochen. Das war umstritten. Was hätten Sie ihr geraten?



Das entspricht den Regeln, die besagen, dass der Bundespräsident und die Kanzlerin bei Anlässen wie diesen deutsch sprechen sollen. Immerhin hat sie die Rede in englische Bemerkungen zu Beginn und am Ende eingebettet.

Hat Merkel den richtigen Ton getroffen und die richtigen Themen angesprochen?


Es war eine sehr gute Rede, denn sie war sehr gut komponiert. Es ist der Kanzlerin gelungen, ihre eigene Biografie mit den aktuellen Themen zu verbinden, die derzeit auf der internationalen Tagesordnung stehen. Die Überwindung von Mauern bildete dabei den gemeinsamen Nenner. Sie selbst hat sich als Kanzlerin präsentiert, die Klartext redet, ohne konfrontativ zu sein. Das unterscheidet sie von Gerhard Schröder und hat ihr sicher Respekt eingebracht.

War es angemessen, dass die Kanzlerin mehrfach ihr persönliches Schicksal erwähnt hat?


Durchaus, schließlich hat sie eine Geschichte. Im Übrigen ist das genau die Art, mit der sie in Amerika die Herzen öffnen.

Als sie über die Geschichte sprach, hat Merkel zwar den Holocaust erwähnt, nicht jedoch die Rolle der USA bei der Befreiung Deutschlands und auch nicht den Marshallplan. War das ein Fehler?


Ich denke, es war nicht zwingend, dies zu erwähnen. Unter emotionalen Gesichtspunkten war die Luftbrücke der wichtigere Punkt – der die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA verändert hat.

Welche Botschaft könnte die Zuhörer noch bewegt haben?

Indem Merkel die USA als den besten Partner Europas bezeichnete, hat sie ein klares Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft abgelegt. Das ist richtig so.

Was waren aus Ihrer Sicht die herausragenden Passagen?

Die Rede war geprägt vom Zweiklang der Begriffe Freiheit und Verantwortung. So hat die Kanzlerin etwa die gemeinsame Verantwortung von Amerikanern und Europäern für Afghanistan betont und deutlich gemacht, dass sich Deutschland dieser Verantwortung stellt.

Ein weiteres wichtiges Thema aus europäischer Sicht ist der Klimaschutz. Hat Merkel es ausreichend gewürdigt?

Sie hat ihre Position klar formuliert, indem sie verbindliche Vereinbarungen für den anstehenden Gipfel eingefordert und Europa und die USA aufgefordert hat, voranzugehen. Viele gehen ja davon aus, dass man in Kopenhagen über politische Erklärungen nicht hinauskommt.

Glauben Sie, das ist angekommen?


Es fiel schon auf, dass hier nicht alle Zuhörer Beifall gespendet haben.

Die Fragen stellte Ulrike Scheffer.

Hans-Ulrich Klose (72), ist SPD-Abgeordneter im Bundestag und befasst sich vor allem mit außen- und sicherheitspolitischen Themen sowie dem transatlantischen Verhältnis.

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