Harald Martenstein zum Frauentag : Fußball und Mode sind so ungerecht

Nirgendwo ist die Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen so gravierend wie im Fußball. Dabei ist doch die Arbeit die gleiche. Harald Martenstein plädiert deshalb für eine Gerechtigkeitsabgabe der Profi-Fußballer an die Frauenvereine. Ein Denkanstoß.

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Frauenfußball: Geringverdienerinnen - im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen - am Ball.
Frauenfußball: Geringverdienerinnen - im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen - am Ball.Foto: Oliver Mehlis/dpa

Als ich anlässlich des Internationalen Frauentages über das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nachgedacht habe, sind mir sofort die Fußballer eingefallen. Ich glaube, dass kaum irgendwo in Deutschland das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen so ausgeprägt ist wie im Profi-Fußball.

Von dem Geld, das Manuel Neuer oder Arjen Robben verdient, könnte man vermutlich sämtliche Spielerinnen der Frauen-Bundesliga bezahlen. Gleichzeitig ist es offensichtlich, dass die Torhüterin von Turbine Potsdam exakt, bis ins letzte Detail, die gleiche Arbeit verrichtet wie Manuel Neuer, die Spielregeln sind gleich, die Spieldauer ist gleich, alles ist gleich.

Es ist bei den Fußballspielern, Männern wie Frauen, zumindest in groben Zügen bekannt, wie viel sie jeweils verdienen. Es steht in jeder Sportzeitschrift. Niemand kann sich damit herausreden, er oder sie wisse von nichts. Nun könnte jemand sagen, dass die Spieler ja alle unterschiedliche Gagen bekommen, ein Star bei Bayern München kriegt nun mal mehr als ein Spieler in Paderborn. Na und? In jedem Betrieb und in jeder Branche gibt es Lohnunterschiede, Daimler zahlt besser als eine kleine Autowerkstatt, der Abteilungsleiter kriegt mehr als der Hausmeister.

Ein Soli für die Frauen?

Das Prinzip „Gleicher Lohn“ besagt lediglich, dass Menschen in vergleichbaren Positionen und vergleichbaren Betrieben das Gleiche bekommen müssen. Ein anderer könnte sagen, dass die Frauenvereine einfach weniger Geld haben, sie könnten nicht Männergagen zahlen, selbst wenn sie wollten. Genau dieses Argument kam auch, als der Mindestlohn eingeführt wurde – ein kleiner Friseursalon in Thüringen könne den Mindestlohn einfach nicht zahlen. Und? Es geht doch! Außerdem wäre es eine Kleinigkeit, die Männervereine zu einer Gerechtigkeitsabgabe an die Frauenvereine zu verpflichten, einer Art Soli, vielleicht 30 Prozent der Einnahmen, dann sinken die Männergagen etwas, und alle werden geschlechtergerecht bezahlt. Übrigens gibt es das gleiche Problem, nur umgekehrt, in der Modebranche. Weibliche Models kriegen viel mehr als ihre männlichen Kollegen, auch das müsste sich ändern.

Es ist seltsam. Vor aller Augen wird das Grundgesetz gebrochen, in so wichtigen Bereichen wie dem Sport und der Mode, und niemanden scheint es zu stören. Es finden riesige Debatten über geschlechtergerechte Entlohnung statt, die in Wahrheit Geisterdebatten sind, weil die krassesten Fälle von Ungerechtigkeit einfach ausgeklammert werden. Warum ist das so? Wo kommt diese Blindheit her? Dazu ließe sich einiges sagen, aber dieser Text ist hier zu Ende. Sie müssen es selber herausfinden. Ich wollte nur einen Denkanstoß geben. Denkanstöße zu geben, ist mein Beruf.

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