Politik : …Harald Schmidt zurückkommt

-

Erst kommt Harald Schmidt. Heute Abend. Dann kommt das Christkind. Morgen Abend.

Harald Schmidt ist in Wirklichkeit gar nicht so gut. Niemand ist in Wirklichkeit so gut, wie die Erwartungen der Fans es ab einem gewissen Punkt halluzinieren. Sogar Einstein war, wenn man mal genau hinschaut, wahrscheinlich nicht wirklich genial, nur halt sehr begabt. Übrigens – wie gut war Elvis wirklich?

Schmidt ist ganz sicher weniger genial als Elvis, dafür verdient er aber auch weniger. Seit ein paar Wochen arbeiteten sich einige Medien an den sehr üppigen Einkünften ab, die Harald Schmidt bei der ARD bezieht, er ist eben ein echter Gernvielverdiener, ähnlich wie Jürgen Klinsmann, Herr M. von der CPartei oder, bei den Intellektuellen, Hans Magnus Enzensberger. Versuchen Sie, falls Sie es nicht glauben, ruhig mal, ein Enzensberger-Essay zu kaufen! Der Grad der Empörung über die Schmidt-Einkünfte steht, dies ein Tipp zum Zwischen-den-Zeilen-Lesen, gelegentlich in einem auffälligen Zusammenhang mit der geschäftlichen Verquickung des jeweiligen Mediums mit dem Sender Sat 1, den Schmidt düpiert und verlassen hat. Deswegen ist möglicherweise „Bild“, die Zeitung der chronisch unterbezahlten Chefredakteure, besonders empört. Im „Spiegel“ aber heißt es sinngemäß, Schmidt werde überschätzt. Das stimmt, wie gesagt, immer.

Schmidt anzuschießen, ist unter sportlichen Gesichtspunkten reizvoll, weil er bei einigen Leuten einen heiligenähnlichen Status besitzt, der nächste Kandidat heißt Rudi Völler. Ein Kollege sagte: „Ich möchte wenigstens eine Sache uneingeschränkt gut finden dürfen.“ Vielleicht ist Harald Schmidt die Antwort auf die Krise der Religion, insofern vor Heiligabend richtig platziert. Gegen Schmidt spricht also, dass er beim besten Willen nicht mehr so gut sein kann wie sein Ruf, gegen ihn spricht, dass „Bild“ und „Spiegel“, die Achsenmächte der Publizistik, seine Freunde nicht sind, gegen ihn spricht, dass sein Arbeitgeber dumm genug war, Honorarzahlen durchsickern zu lassen, gegen ihn spricht, dass er überschätzt wird, dass man jedes Idol stürzen sehen möchte, dass der Zeitgeist sich geändert haben könnte, gegen ihn spricht, dass er älter wird, dass er alle möglichen Überraschungen schon ausgereizt hat, gegen ihn spricht, dass er satt ist, dass seine Pause nicht lang genug war … im Grunde spricht alles gegen ihn. Und was spricht für ihn? Das muss er heute selbst sagen. mrt

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben