Politik : Hariris Sohn siegt bei Wahl in Libanon

Andrea Nüsse

Kairo - Die Überraschung war nicht der Wahlsieg von Saad Hariri, Sohn des im Februar ermordeten libanesischen Ex- Premiers Rafik Hariri. Es war damit gerechnet worden, dass seine Listen in der Hauptstadt Beirut, in der die Sunniten dominieren, alle 19 Parlamentssitze gewinnen würden. Erstaunlich und enttäuschend am ersten Durchgang der Parlamentswahlen am Sonntag in Beirut war die geringe Wahlbeteiligung. Sie lag nach offiziellen Angaben bei 27 Prozent, und das bei den ersten freien Wahlen in Libanon seit über 30 Jahren. Denn bis zum Abzug der syrischen Truppen Ende April hatte sich Damaskus massiv in die libanesische Innenpolitik eingemischt.

Doch der Elan, der monatelang Millionen auf die Straßen gelockt hatte, scheint verflogen. Das mag daran liegen, dass in Beirut viele sunnitische Politiker gar nicht erst gegen Hariris Liste angetreten waren. Die Zeitung „Daily Star“ erklärt die Unlust der Wähler aber auch damit, dass Saad Hariri zu sehr insistiert hatte, die Wahl sei ein Votum gegen die Mörder seines Vaters. Als Wahlprogramm habe die Botschaft nicht gereicht.

Hier liegt das Dilemma des 35-jährigen Geschäftsmanns. Als Sohn des ermordeten Multimillionärs Rafik Hariri ist der politische Neuling über Nacht zum Oppositionschef geworden. Dabei ist weitgehend unklar, wie er – wie angekündigt – den wirtschaftlichen und politischen Kurs seines Vaters fortzusetzen gedenkt. Auch hat er versprochen, die nationale Einheit hochzuhalten. In jedem Fall profitiert Saad Hariri von den Kontakten des Vaters. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat ihn empfangen, ebenso US-Vizepräsident Dick Cheney. Die gesamte Familie besitzt die saudische Staatsbürgerschaft. In Libanon selbst gehört ihr der Fernsehsender Future TV.

Insgesamt hat sich der Politikneuling bisher ordentlich geschlagen. Eine erste Krise mit christlichen Alliierten bei der Listenaufstellung hat er durch Verhandlungen gelöst, er wird sogar als möglicher Premier gehandelt. Dass er mit seinen Verbündeten eine Mehrheit im neuen Parlament haben wird, ist relativ sicher. Bisher hat Saad Hariri sich nicht zu dieser Möglichkeit geäußert.

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