Harrsiburg 1979 : Die dunklen Wolken von "Three Mile Island"

Friedemann Diederichs
Akw bei Harrisburg.
Akw bei Harrisburg.Foto: AFP

Das Unglück begann am 28. März 1979 im aus zwei Reaktoren bestehenden „Three Mile Island“- Komplex im US-Bundesstaat Pennsylvania ähnlich wie in Japan – nur gab es zuvor kein Erdbeben. Durch ein Ventil- und Pumpenversagen im primären Kühlsystem des Reaktors „Unit 2“ konnte jede Menge Kühlwasser ausfließen. Gleichzeitig erkannten die Techniker in der Steuerzentrale die Gefahren nicht – die Ursachen dafür beschrieben Untersuchungsberichte später als „unzureichendes Training“. So schalteten sie zunächst sogar versehentlich die Hilfspumpen ab, und die Temperatur im Kern der Anlage erreichte kritische Bereiche. Gut 90 Minuten nach Beginn der Probleme kam es zu einer Gasexplosion. Dann erst wurde ein offizieller Notfall erklärt. Obwohl bereits Messgeräte den Austritt von Radioaktivität zeigten, wurde dies zunächst dementiert. Auch die hinzugerufenen Experten der Nationalen Atom-Aufsichtsbehörde NRC sahen zunächst keinen Grund für einen Alarm. So wurde erst 24 Stunden nach den ersten Problemen Schwangeren und Kleinkindern im Umkreis von acht Kilometern empfohlen, das Gebiet zu verlassen. Erst mehrere Jahre später – nach dem Zugang zum zunächst versiegelten Reaktorkern – erfuhr man die bittere Wahrheit: Es hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine teilweise Kernschmelze stattgefunden, die gesamte Anlage war radioaktiv verseucht. Der Super-GAU blieb allerdings aus. Offiziell stellte die US-Umweltbehörde später fest, es habe durch die Beinahe-Katastrophe vermutlich keine einzige zusätzliche Krebserkrankung in der Region gegeben. Doch diese positive Diagnose zweifeln unabhängige Wissenschaftler bis heute an.

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