Politik : Harry Saddamotti

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Saddam gefasst! Das hinterlässt natürlich Spuren. Nun ist dies ja die Zeit der Weihnachtsempfänge. Die finden gern am Sonntag statt, und so wurde der Sonntag zum Saddam-Tag. In Charlottenburg hatte sich ein Herr aus dem Auswärtigen Amt unter die Veranstalter solcher vorfestlichen Festlichkeiten begeben. Und wie dies sonntags eben ist, lauscht auch ein Diplomat nicht ununterbrochen den Tickermeldungen der Nachrichtenagenturen. Kurzum, wer zuletzt am Samstagabend den weltpolitischen Sachstand in Erfahrung gebracht hatte, konnte ja nicht wissen, dass Saddam aus seinem Loch bei Tikrit geholt worden war. Aufregung also, als die Nachricht in die Kaffee-Runde dringt. Gedämpfte Freude – und Neugier. Wer wusste, was geschehen war, wurde aufgefordert, ausführlich jedes Detail zu berichten.

Zu einem weiteren Advents-Event hatte ein Berliner Gastgeber geladen, der ein politisch weit gestreutes Publikum nach Wilmersdorf zu bitten pflegt. Auch dort war Saddam natürlich das Thema Nummer eins. Auf dem Flachbildschirm wurde eigens die DVD mit dem nie wirklich abbrennenden Kaminfeuer gestoppt, um die Bilder von Saddams erster medizinischer Überprüfung zu begutachten. Ob die Veröffentlichung eines solchen Videos despektierlich sei, wurde debattiert. Und dann kam irgendein Scherzbold auf die Idee, die unweigerlich kommende Ausschlachtung des Ereignisses durch die Entertainment-Industrie zu prognostizieren. So unpathetisch war Saddams Ende, so klein diese Katharsis. In der Musical-Fassung jedenfalls, so herrschte Konsens, müsse Luciano Pavarotti den Saddam singen, und im deutschen Film spielt ihn Harry Rowohlt.

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