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"Hart aber Fair" : Blanco über Herrmann: "Das hat er nicht so gemeint"

Für CDU-Politiker Charles M. Huber sind die Äußerungen des bayerischen Innenministers eine Beleidigung. Dieser rechtfertigt sich und erhält Unterstützung von Roberto Blanco.

René Bosch
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer
CSU-Generalsekretär Andreas ScheuerFoto: dpa

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der gestern durch einen Kommentar in der ARD-Sendung "Hart aber Fair" für Aufsehen sorgte, wird für seine Aussagen harsch kritisiert. Der Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber (CDU) sagte dem Tagesspiegel: "Das ist eine Beleidigung, das geht nicht. So etwas betrifft nicht nur Flüchtlinge, sondern auch normale Bürger, Abgeordnete und sogar Staatspräsidenten."

Huber, der wie Herrmann aus Bayern stammt, zeigte sich geschockt über dessen Aussagen, mit der er unter anderem auch den US-Präsidenten Barack Obama beleidigt hätte. "Das hat unser Land nicht verdient", so Huber. Eine solche Wortwahl mache es schwer für Menschen anderer Hautfarbe, in Deutschland angenommen zu werden, sagte Huber, sie würden sich dann auch "Rattenfängern wie dem IS" anschließen.

Auch der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger zeigte sich empört hinsichtlich der Aussagen des bayerischen Innenministers. Er sagte dem Tagesspiegel: "(W)er von schwarzen Menschen als „Neger“ spricht, offenbart ein vorgestriges Denken und das Festhalten an rassistischen Mustern. Das kann man auch nicht weglächeln." Hermann offenbare nicht nur mit dem gestrigen, sondern auch mit Äußerungen zu schnellerer Abschiebung und der Unterscheidung in richtige und falsche Flüchtlinge eine Sicht auf die Flüchtlingsthematik, die "schlicht inakzeptabel" sei, sagte Riexinger weiter.

CDU Bundestagsabgeordneter Charles Huber: "Das ist eine Beleidigung"
CDU Bundestagsabgeordneter Charles Huber: "Das ist eine Beleidigung"dpa

Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, schloss sich der fundamentalen Kritik Riexingers nicht an. „Sensibilität tut Sprache gut. Das wissen wir alle – auch Herr Herrmann, der das zum Glück heute im Morgenmagazin klar gestellt hat“, erklärte Göring-Eckhardt gegenüber dem Tagesspiegel.

Bereits am Vormittag trat der bayerische Innenminister der Kritik entgegen. Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Herrmann, er benutze das Wort "Neger" sonst überhaupt nicht. Seine Äußerung, in der er Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" bezeichnete, sei auf einen Einspieler gefolgt, in dem ein Bayer sagte, er wolle "Neger überhaupt nicht haben". Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte Herrmann, er habe heute mit Roberto Blanco persönlich gesprochen, dieser habe seine Aussage nicht missverstanden. "Es gibt ganz wunderbare Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe in unserem Land, die wunderbar integriert sind und viele Menschen begeistern sich seit langem auch für Farbige wie z. B. Roberto Blanco oder Spieler des FC Bayern", sagte Hermann.

Auch der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, stellte sich nach dem Statement hinter den bayerischen Innenminister: "Mit diesem Statement von Joachim Herrmann ist doch alles gesagt und darin wird für Kollegen Charles Huber und jeden anderen alles erklärt."

Hat den Schlagersänger Roberto Blanco (l.) als "wunderbaren Neger" bezeichnet: Joachim Herrmann (r.), Staatsminister des Innern in Bayern
Hat den Schlagersänger Roberto Blanco (l.) als "wunderbaren Neger" bezeichnet: Joachim Herrmann (r.), Staatsminister des Innern in...dpa (Daniel Karmann/Karlheinz Schindler)

Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Blanco, Hermann habe im persönlichen Gespräch betont, er habe es nicht so gemeint. Auch das Wort "Neger" per se verstehe er nicht als rassistisch. "Niemand hat das Recht jemanden zu beschimpfen, aber der Ton macht die Musik", sagte Blanco. Das Gesamte Interview finden sie hier.

Der Umgang mit Worten wie "Neger" ist seit Jahren umstritten. 2013 sorgte die Entscheidung des Stuttgarter Thienemann Verlags für Aufsehen, die Worte "Neger" und "Zigeuner" aus Ottfried Preußlers Kinderbuch "Die kleine Hexe" zu streichen. Auch der Streit um den "Zwarte Piet", den schwarzen Peter in den Niederlanden und Belgien, zeigt die Hitze der Debatte.

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