Politik : Hartmut Mehdorn soll Dampf machen und das Unternehmen auf den Erfolgskurs bringen

Jürgen Eustachi

Hartmut Mehdorn, der 57 Jahre alte Chef des Vorzeige-Maschinenbauers Heidelberger Druckmaschinen AG, soll die Deutsche Bahn aus der Krise führen. Mehdorn folgt voraussichtlich dem Ruf des Bahn-Aufsichtsratsvorsitzenden Vogel und übernimmt den Job, das in der Krise steckende Unternehmen auf Erfolgskurs zu bringen. Der in Berlin geborene Mehdorn wechselte im Oktober 1995 aus dem Vorstand der Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa) an die Spitze der Heidelberger Nobelfirma mit den goldgeränderten Bilanzen. Im Unterschied zur Bahn war die Heidelberg-Gruppe kein Sanierungsfall, als Mehdorn kam.

Doch das Energiebündel war nicht von der Luftfahrt zu den Druckmaschinen gekommen, um dort alles so weiter rotieren zu lassen wie bisher. In kürzester Zeit machte der Maschinenbau-Ingenieur aus dem Weltmarktführer für Druckmaschinen den Weltmarktführer für Drucksysteme von der Software der Druckvorstufe bis zum Versand von Druckerzeugnissen. Die Heidelberger Firma, die im Geschäftsjahr 1998/99 knapp vier Milliarden Euro (7,7 Milliarden DM) umsetzte und einen Jahresüberschuss von 256 Millionen Euro (gut eine halbe Milliarde DM), übernahm 1997 den Druckvorstufen-Spezialisten Linotype-Hell AG, brachte einen Anteil von 16,4 Prozent der Heidelberger RWE-Tochter an die Börse und kündigte Ende vergangenen Jahres den Einstieg ins Geschäft mit großen Zeitungsrotationen an.

Der Kurpfälzer Siegertyp versteht es, mit seiner erfrischend hemdsärmeligen Art, seine Mitarbeiter zu motivieren. Er kann seine Leute für den Wandel begeistern. Diese Eigenschaft wird er für seine neue Aufgabe an der Spitze der Bahn gut brauchen können. Sein Erfolg hat die Position der Heidelberg-Gruppe im Mutterkonzern RWE gestärkt. Im August 1998 wurde er in den Vorstand der Essener RWE AG berufen. Mehdorn fühlte sich dort als eine Art unternehmerischer Missionar in einem bürokratielastigen Umfeld. Das im Frühjahr bekannt gewordene RWE-Visionspapier trägt seine Handschrift. Es sieht vor, RWE vom Strom- zum kompletten Energie-, Wasser- und Entsorgungsanbieter zu entwickeln, ähnlich wie die Heidelberg-Gruppe vom Druckmaschinen- zum Drucksystemanbieter.

Wenn es seiner Sache dient, geht Mehrdorn keinem Konflikt aus dem Weg. So scheute er sich nicht, als RWE-Vorstandsmitglied darauf hinzuweisen, dass die Rendite der Heidelberg-Gruppe höher ist als die vieler Stromkraftwerke. Er machte auch öffentlich Druck auf den Heidelberg-Mehrheitsgesellschafter RWE, mehr Heidelberg-Aktien für den freien Handel an die Börse zu bringen. Seine Konfliktfähigkeit wird der künftige Bahnchef einsetzen müssen, um Widerstände gegen eine bessere Kundenorientierung des Verkehrsdienstleisters auf der Schiene aus dem Weg zu räumen. Denn die Zufriedenheit der Kunden ist für Mehdorn der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt nicht nur für Druckmaschinen.

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