Politik : Hauptbahnhof – Bahn droht neue Klage

Nach Erfolg im Streit um Decke will Architekt Gerkan jetzt wegen des kurzen Daches vor Gericht ziehen

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Der Bahn droht eine weitere Klage wegen des Berliner Hauptbahnhofs. Der Architekt des Bahnhofs, Meinhard von Gerkan, prüft jetzt, ob er wegen „einer möglicherweise veränderten Rechtssituation“ auch wegen des Kürzens des Glasdaches auf den oberirdischen Bahnsteigen vor Gericht zieht. Eine andere Klage hat Gerkan bereits gewonnen. Nach dem Urteil des Berliner Landgerichts muss die Bahn die von ihr eigenmächtig eingebaute Flachdecke im Untergeschoss wieder entfernen und durch die von Gerkan vorgesehene Gewölbedecke ersetzen.

Gegen diese Entscheidung will die Bahn „durch alle Instanzen“ gehen, wie Bahnchef Hartmut Mehdorn gestern bestätigte. Und das Verlängern des Daches komme nicht infrage. Der Bau des Hauptbahnhofs sei schon jetzt um einen „dreistelligen Millionenbetrag“ teurer geworden als geplant. Veranschlagt war der Bau mit 700 Millionen Euro. Die exakten Kosten hatte die Bahn bisher nicht genannt.

Auch der Bundestag will sich jetzt mit dem Dach beschäftigen. Mehdorn soll im kommenden Jahr vor dem Haushaltsausschuss erklären, warum das Dach verkürzt wurde und welche Kosten dadurch entstanden sind. Was eine nachträgliche Verlängerung kosten würde, hat die Bahn nach Angaben ihres Sprechers Oliver Schumacher nicht ermittelt. Dazu gebe es keinen Grund, denn eine Verlängerung stehe nicht zur Debatte. Die Bahn werde alles dafür tun, damit „der sehr schöne, aber zu teure Hauptbahnhof nicht weitere Mittel verzehrt, die an anderer Stelle dringend benötigt werden“, sagte Mehdorn.

Für den Austausch der Flachdecke hat die Bahn Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro ermittelt. Der Bund wird sich nach Angaben des Verkehrsministeriums weder am Austausch der Decke noch an einer Verlängerung des Daches finanziell beteiligen.

Ob Mehdorn im nächsten Jahr in den Haushaltsausschuss kommen wird, stehe noch nicht fest, sagte Bahnsprecher Schumacher. Noch gebe es dafür keine Einladung. Um Mehdorns Erscheinen hat der Abgeordnete Klaas Hübner (SPD) gebeten, der auch wissen will, wie viel eine nachträgliche Verlängerung des Daches kosten würde. Weil es von maximal 451 Metern, wie es geplant war, auf 321 Meter verkürzt worden ist, stehen bei langen ICE-Zügen ausgerechnet die Fahrgäste der 1. Klasse im Freien. Pläne, sie von Servicemitarbeitern mit einem Regenschirm abholen zu lassen, haben sich, wie berichtet, zerschlagen.

Offiziell bestätigt hat das Bundesverkehrsministerium jetzt, dass das verkürzte Dach höhere Kosten verursacht hat, als für die lange Version veranschlagt waren. Mehdorn hatte das Kürzen veranlasst, weil es nur so möglich gewesen sei, den Bahnhof kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Betrieb zu nehmen.

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