"Hauptstadt eingenommen" : Islamisten in Somalia erklären Sieg

Nach monatelangen Kämpfen um die Kontrolle der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben die Islamisten des ostafrikanischen Landes ihren Sieg über die von den USA unterstützten Milizen erklärt.

Mogadischu - Der Islamisten-Anführer Scheich Scharif Scheich Ahmed sagte der Nachrichtenagentur AFP, "eine neue Ära ohne Warlords" beginne in Mogadischu. Die Islamisten hatten zuvor den größten Teil der Stadt und einen wichtigen Zufahrtsweg der Milizen eingenommen. Am Sonntag hatten sie bereits die nördlich gelegene Stadt Balad unter ihre Kontrolle gebracht.

Bewohner des Stadtviertels Daynile, einer Hochburg der von den USA unterstützten Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT) sagten AFP, ARPCT-Kämpfer hätten bereits begonnen, ihre Waffen abzugeben. Der Warlord Mohamed Afrah Kanjare, einer der ARPCT-Gründer, hatte die Hauptstadt nach Angaben von Augenzeugen am Sonntag verlassen, als sich der Sieg der Islamisten abzeichnete.

"Frieden und Sicherheit"

In einer im Rundfunk verlesenen Erklärung Ahmeds hieß es, 15 Jahre Herrschaft der Warlords seien beendet. Die Vereinigung der islamischen Gerichte, wie der Zusammenschluss der islamistischen Kräfte heißt, habe kein Interesse an einer Fortsetzung der Kämpfe und werde nun für Frieden und Sicherheit sorgen. An die internationale Gemeinschaft gerichtet erklärte Ahmed, die Vereinigung habe "gegen niemanden etwas" und wolle "unter Beachtung der Interessen des Volkes" "mit dem Rest der Welt" verhandeln.

Die ARPCT-Milizen kämpfen seit ihrer Gründung im Februar gegen die Islamisten, die von westlichen Geheimdiensten verdächtigt werden, mit dem Terrornetzwerk Al Qaida in Verbindung zu stehen. In den fast vier Monate dauernden Kämpfen kamen mindestens 347 Menschen ums Leben, mehr als 1.500 wurden verletzt. Die USA bestätigen offiziell nicht die Unterstützung der Milizen, dementieren dies jedoch auch nicht. US-Regierungsvertreter sagten AFP, sie hätten den Milizen Geld und Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt.

In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg. Clanchefs stürzten damals Diktator Mohammed Siad Barre. Seitdem gibt es in dem bitterarmen Land am Horn von Afrika keine funktionierenden staatlichen Institutionen mehr. Das vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Übergangsparlament, der Präsident und die Regierung besitzen keine Autorität. (tso/AFP)

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