Politik : Hausbesuche zu den Wahlen

Irans Regime hofft auf eine hohe Beteiligung

Andrea Nüsse

Kairo - Der oberste iranische Religionsführer Ali Khamenei war einer der ersten Wähler, die am Freitagmorgen die Wahlbüros in Teheran betraten. Khamenei bezeichnete die Wahlen als „schicksalhaft für die Nation“. Präsident Mahmud Ahmadinedschad flog von einem Islamischen Gipfeltreffen in Senegal ein, um seine Stimme abzugeben. Das islamistische Regime hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung, um den USA und dem Westen zu beweisen, dass das iranische Volk hinter ihm steht. Die Teilnahme an der Wahl wurde zur religiösen und patriotischen Pflicht deklariert. Mobile Wahlbüros wurden an Parks aufgestellt, um Spaziergänger anzulocken. Kranke Wähler wurden von Vertretern der Wahlbehörden zu Hause besucht, damit sie ihre Stimme abgeben können. Gerade in der Hauptstadt Teheran, einer Hochburg der Reformer, war die Stimmung jedoch eher apathisch. Der Ausschluss von etwa 1700 Kandidaten, zumeist Reformer und zudem deren bekannteste Gesichter, hatte dafür gesorgt, dass viele Menschen das Interesse an dieser Wahl verloren. Der nicht gewählte Wächterrat überprüft alle Kandidaten auf ihre Loyalität zu den islamischen Werten. Selbst der Enkel von Revolutionsführer Ruhollah Khomeini, der als Reformer gilt, war zunächst ausgeschlossen, später aber doch zugelassen worden. Allerdings wollte Hossein Khomeini dann nicht mehr antreten. Bereits vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung in Teheran nur 37 Prozent und landesweit etwas über 50 Prozent betragen.

In der Hauptstadt ist der Wahlvorgang zudem langwierig: Da 30 der insgesamt 290 Sitze im Parlament in Teheran vergeben werden, müssen die Wähler die Namen von insgesamt 30 Kandidaten und die entsprechenden Nummern auf einen Zettel aufschreiben. Teilweise haben sich die Menschen Tage zuvor zu Hause Namenslisten geschrieben, damit sie im Wahllokal weniger Zeit brauchen, aus den über 800 Kandidatennamen die richtigen herauszusuchen. Landesweit treten etwa 4500 Kandidaten an. Mit Ergebnissen wird erst in drei Tagen gerechnet.

Interessant wird die Verteilung der Sitze innerhalb des konservativen Lagers werden. Möglicherweise werden pragmatische Konservativen gestärkt zugunsten des radikalkonservativen Lagers, das Ahmadinedschad unterstützt. Dessen aggressives Auftreten gegenüber dem Westen und die Wirtschaftspolitik waren in die Kritik geraten. Das beherrschende Thema ist die Inflation, die offiziell 17 Prozent beträgt, und die Wirtschaftskrise. Der Streit mit dem Westen über das iranische Atomprogramm steht bei der Parlamentswahl eher im Hintergrund. Andrea Nüsse

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