Politik : Hausgeister

Gerd Appenzeller

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Als vor einem runden Jahrzehnt die Debatte über das „ob“ des Umzugs von Regierung und Parlament nach Berlin thematisch in das „wie“ wechselte, setzten die Umzugsgegner noch einmal zu einem Rundumschlag an. Die Weiternutzung von Regierungsbauten aus der Zeit des Dritten Reiches erklärten sie für politisch nicht korrekt, weil diese Büros historisch kontaminiert seien. Die Geister der Diktatur und der Nachnutzerin SED seien sozusagen ins Mauerwerk eingedrungen und hätten die Gebäude damit ein für alle Mal für Demokraten unbenutzbar gemacht. Was heißt: Alles neu bauen.

Daraus wurde nichts, wie wir wissen. Ob Hans Eichel in einem anderen Haus eine bessere Finanzpolitik hätte machen können, steht freilich dahin. Die Anweisungen bezieht er aber unstrittig aus einem Neubau, aus dem Kanzleramt. Sensiblere Sozialdemokraten als Gerhard Schröder hätten beim Einzug zwar anmerken können, das neue Kanzleramt röche christdemokratisch, weil es doch nach den Wünschen Helmut Kohls in die Höhe und in die Breite gewachsen ist. Aber Schröder wollte ja unbedingt rein, da verbot sich jede Empfindlichkeit. Und außerdem wäre das ein dummer Vergleich.

In anderen Ländern sieht man so etwas kleinlicher. In der grönländischen Hauptstadt Nuuk musste jetzt der Verwaltungsdirektor der Insel, Jens Lyberth, seinen Schreibtisch räumen. Er hatte einen Geisteraustreiber angeheuert, um die „negative Energie“ aus dem Büro zu hexen, das bis dato Lyberths abgewählter Vorgänger genutzt hatte. Das gehört sich nicht, fand sein Chef im fernen Dänemark und feuerte ihn. Bei uns kein Thema, wie gesagt. Berlin ist nicht Nuuk.

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