Politik : Havemann Prozess: Stasi-General wegen Verfolgung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Berliner Landgericht hat am Dienstag die erste Strafe wegen der Verfolgung des DDR-Regimekritikers Robert Havemann in den siebziger Jahren verhängt. Der ehemalige Stasi-General Karli Coburger wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Überzeugung der Richter war Coburger mitverantwortlich für einen gegen Havemann verhängten Hausarrest, um den Einfluss des Regimekritikers einzuschränken. Der ehemalige General wurde der Beihilfe zur Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine 18-monatige Bewährungsstrafe verlangt, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Der Chemiker und Publizist Havemann war 1976 zu zweieinhalb Jahren Hausarrest und 1979 zu einer Geldstrafe von 10 000 DDR-Mark verurteilt worden. Hintergrund war die Absicht der DDR-Führung, Havemann als politischen Gegner auszuschalten. Das Verfahren um eine Mitschuld von Coburger an der Geldstrafe gegen den Regimekritiker wegen eines angeblichen Devisenvergehens hatte das Gericht am Ende der Beweisaufnahme eingestellt. Anlass der Verfolgung Havemanns war sein im Hamburger Magazin "Der Spiegel" veröffentlichter Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers und Regimekritikers Wolf Biermann. Havemann verstarb im Jahr 1982.

Vor zwei Wochen hatte das Berliner Landgericht einen mitangeklagten früheren Stasi-Offizier freigesprochen. Dem ehemaligen Stasi-Untersuchungsführer habe nicht nachgewiesen werden können, Urheber der von der DDR-Staatssicherheit geplanten Strafmaßnahmen gegen Havemann gewesen zu sein, hatte das Gericht erklärt. Vor dem Landgericht Neuruppin müssen sich seit Januar zwei frühere DDR-Staatsanwälte wegen der Verfolgung Havemanns verantworten.

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