Hebron : Israelische Armee stürmt von Siedlern besetztes Haus

Die jüdischen Hausbesetzer waren gerade beim Mittagessen, als das israelische Militär hereinstürmte, um das Gebäude zu räumen. Denn auch die palästinensische Seite beansprucht den Besitz.

Hebron
Die Polizei bahnt sich einen Weg in das besetzte Haus. -Foto: AFP

Tel Aviv/HebronIn einem Überraschungseinsatz hat die israelische Armee am Donnerstag ein von Siedlern besetztes Gebäude in Hebron gestürmt. Das israelische Fernsehen zeigte Bilder von mehreren Dutzend bewaffneten Einsatzkräften mit Schutzausrüstung und Schlagstöcken, die in das umstrittene Haus im Westjordanland eindrangen und Siedler herausführten oder -trugen. Nach Angaben von Sanitätern gab es mindestens zehn Verletzte auf beiden Seiten. Israel erlaubte unterdessen nach einer fast einmonatigen Sperre wieder die Einreise ausländischer Journalisten in den Gazastreifen, wie Armeesprecher Peter Lerner in Tel Aviv mitteilte.

Verteidigungsminister Ehud Barak hatte die Räumung des Hauses in Hebron am frühen Donnerstag nach einem Gespräch mit Siedlerführern in Tel Aviv angekündigt, es war jedoch nicht unmittelbar damit gerechnet worden. Nach israelischen Medienberichten überraschten die hereinstürmenden Einsatzkräfte die Siedler beim Mittagessen. Der Einsatz galt als schwierig, weil sich mehr als hundert radikale Siedler in dem Gebäude verbarrikadiert hatten, das auch von Palästinensern beansprucht wird.

Das umstrittene Gebäude soll nach einer Räumung solange unter Aufsicht der Armee gestellt werden, bis ein Gericht den Streit über die Besitzansprüche geklärt hat. In dem Haus leben seit März 2007 mehrere jüdische Siedlerfamilien. Der ursprüngliche palästinensische Besitzer bestreitet jedoch ihre Angaben, nach denen er ihnen das Gebäude rechtmäßig verkauft habe. Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse hatte das Oberste Gericht im November die Räumung angeordnet. In der geteilten Stadt Hebron leben 800 radikale Siedler unter rund 200.000 Palästinensern. In den vergangenen Tagen war es wegen des Streits um das Haus zu schweren Konfrontationen zwischen den Siedlern und palästinensischen Einwohnern des Viertels gekommen.

Zum ersten Mal wieder Hilfsleistungen im Gebiet

Israel gestattete am Donnerstag zum vierten Mal in einem Monat die Lieferung einer begrenzten Menge von Hilfsgütern in den abgeriegelten Gazastreifen. Nach Angaben eines Mitarbeiters der Wirtschaftsbehörde in Gaza handelt es sich um 40 Lastwagen mit Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung. Zudem wurde durch den Übergang Nachal Oz eine halbe Million Liter Treibstoff für das Kraftwerk in Gaza geliefert, wie die palästinensische Grenzbehörde mitteilte.

Das für Journalisten verhängte Einreiseverbot in den Gazastreifen, das am Donnerstag wieder aufgehoben wurde, hatte Proteste internationaler Medienorganisationen und israelischer Menschenrechtsgruppen ausgelöst. Die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Israel warf der Regierung Verletzung der Pressefreiheit vor und reichte beim Obersten Gericht Beschwerde ein.

Wegen des fortwährenden Raketenbeschusses hat Israel die rund 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen seit dem 5. November nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Israel will die militanten Palästinensergruppen mit der Blockade zwingen, den Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebietes einzustellen. (mpr/dpa)

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