Politik : Heer der Lüfte

Bundeswehr bekommt neue Kampfhubschrauber

Volker Schubert

Berlin - Die „Tiger“ kommen. Auch auf größere Distanz lässt sich Gefährlichkeit der beiden Hubschrauber erahnen, während sie über ihrem Ziel kreisen und das Gelände sichern. Kurz danach wird das Knattern in der Luft noch lauter. In zwei Wellen setzen fünf Transporthubschrauber 50 Infanteristen samt ihrer neun Fahrzeuge ab. Mission erfüllt. Geleitet aus der fliegenden Operationszentrale im Transporthubschrauber „NH 90“, der über dem Szenario schwebt.

Was während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA auf dem Berliner Flughafen Schönefeld noch reine Show ist, soll schon bald weltweit zum Einsatz kommen können. Dafür wird die Hubschrauberflotte der Bundeswehr ab 2009 umgebaut – für luftgestützte Einsätze, wie das im Militärjargon heißt. „Ein Stück des Himmels gehört dem Heer“, sagt Generalleutnant Hans-Otto Budde dem Tagesspiegel. Der Stolz in der Stimme des Generalinspekteurs des Heeres ist nicht zu überhören. Herzstücke dieses „strategischen Quantensprungs“, wie Militärexperten das Zusammenspiel von Heeresfliegern und Infanterie bezeichnen, soll dabei die Luftbewegliche Brigade 1 der Division Luftgestützte Operationen im hessischen Fritzlar werden.

Während die Hubschrauberflotte der Bundeswehr, die größte Westeuropas, zurzeit im Wesentlichen aus Transportfliegern besteht, wird die Luftstreitmacht des Heeres mit dem Kampfhubschrauber „Tiger“ und dem Unterstützungshubschrauber „NH 90“ erstmals kampffähig. So soll es möglich werden, eigenständige Operationen von bis zu 48 Stunden ohne weitere Unterstützung durchzuführen. Dem Heer, sagt Budde, sei es künftig möglich, schnell und flexibel zu reagieren, durch die taktische Beweglichkeit des „NH 90“ infanteristische Schwerpunkte zu verlagern und mit dem „Tiger“ präzise Ziele aufzuklären und anzugreifen. Während der mit verschiedenen Raketen bewaffnete „Tiger“ für Kampfeinsätze am Tage und auch in der Nacht ausgelegt ist, soll der „NH 90“ bis zu 20 Soldaten von Infanterie und Spezialkräften in die Einsatzgebiete fliegen oder als Kommunikationszentrale fungieren.

Derzeit noch in der Industrieerprobung, sollen von 2009 bis 2012 insgesamt achtzig „Tiger“ an die Truppe ausgeliefert werden. Der Finanzrahmen des Verteidigungshaushalts, der bis 2012 sichergestellt ist, liegt dafür bei rund drei Milliarden Euro. Für die achtzig „NH 90“, die zwischen 2009 und 2011 für das Heer beschafft werden sollen, werden im Haushalt 1,7 Milliarden Euro veranschlagt. Außerdem werden vierzig der achtzig in der Truppe verbleibenden „CH 53“-Transporter bis 2012 an die neuen Anforderungen angepasst, so dass sie im Verbund mit dem „Tiger“ und dem „NH 90“ eingesetzt werden können. Für diese Modernisierung der seit 30 Jahren existierenden Transporthubschrauber werden rund 25 Millionen Euro veranschlagt. Bis der neue Militär-Airbus A 400 M zur Verfügung steht, müssten auch die neuen Hubschrauber und die „CH 53“ mit russischen Transportmaschinen vom Typ Antonov in Einsatzgebiete verlegt werden. Vertraglich vereinbart ist mit der russischen Firma, dass jederzeit Zugriff auf sechs Maschinen innerhalb von sechs Tagen sicherzustellen ist.

Schnell und beweglich, das ist das neue Konzept des Heeres. Und bietet damit genau das, woran es der Nato insbesondere bei ihrem Einsatz in Afghanistan mangelt. Für den verteidigungspolitischen Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, sind diese hochmobilen Kampfverbände daher auch ein zweischneidiges Schwert: „Einerseits sind sie bei Kriseneinsätzen und UN-Friedensmissionen insbesondere in der Startphase notwendig, andererseits können solche Fähigkeiten auch eine entsprechende Nachfrage provozieren.“ Und damit vermutlich neuen politischen Streit um die Auslandseinsätze der Bundeswehr.

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