• Heiliger Monat des Schreckens in Algerien: Die Versöhnungspolitik von Präsident Bouteflika ist gescheitert

Politik : Heiliger Monat des Schreckens in Algerien: Die Versöhnungspolitik von Präsident Bouteflika ist gescheitert

Clemens Altmann

Seit Beginn des diesjährigen Fastenmonats Ramadan Ende November ist kaum ein Tag vergangen, an dem es in Algerien nicht zu Überfällen islamistischer Extremisten gekommen ist. Waren in den ersten Wochen vor allem Soldaten und von der Regierung ausgerüstete Selbstverteidigungsgruppen im Visier der Attentäter, sieht sich seit mehreren Tagen auch die Zivilbevölkerung wieder Terroranschlägen ausgesetzt. Damit haben sich die Befürchtungen der Menschen bestätigt, die fanatischen Glaubenskrieger würden im heiligen Monat - eigentlich eine Zeit der Besinnung und des Vergebens - Angst und Schrecken verbreiten.

Dabei hatte sich gerade in den vergangenen Monaten die Sicherheitslage in Algerien etwas stabilisiert. Im Glauben an die Versprechungen von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika, hatten die Menschen neue Hoffnung auf ein normales Leben geschöpft. Dieser hatte bei seinem Amtsantritt im April 1999 versprochen, den Konflikt zwischen Staatsmacht und islamistischen Extremisten zu beenden. Sein Wundermittel hieß "nationale Aussöhnung" in Gestalt einer Amnestie für Mitglieder bewaffneter Gruppen. Mit der neuen Gewaltwelle wird nun aber vermehrt Kritik an Bouteflikas Politik laut. "Nichts geht mehr, Herr Präsident", titelte zur Wochenmitte die Tageszeitung "Liberté". Sie spricht aus, was für die algerische Bevölkerung mittlerweile zur bitteren Erkenntnis geworden ist: die Versöhnungspolitik ist gescheitert.

Die relative Ruhe der vergangenen Monate hat sich als trügerisch herausgestellt. Die bewaffneten Gruppen haben offenbar die Amnestie dazu genutzt, sich in ihren alten Hochburgen wieder zu etablieren und ihre Aktivitäten auch auf andere Landesteile auszuweiten. Staatschef Bouteflika indes schweigt zu all dem. In den staatlichen Medien werden die Massaker mit keinem Wort erwähnt, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf.

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