Politik : Heimat ohne Schutz?

Kritiker: US-Behörde für Homeland Security unterfinanziert

Joellen Perry

Der schwerste Angriff auf amerikanischen Boden seit Pearl Harbor liegt zwei Jahre zurück, und die meisten Amerikaner fragen sich: Sind wir heute sicherer?

Um sicherzustellen, dass die Antwort Ja sein möge, rief Präsident George W. Bush im März das „Department for Homeland Security“ (DHS) ins Leben. Das Amt für Heimatschutz setzt sich aus 22 ehemals unabhängigen Behörden zusammen, beschäftigt fast 180 000 Mitarbeiter und ist der größte Umbau der Bundesverwaltung seit 50 Jahren. Dennoch, so Kritiker, sei das Mammut-Ministerium dramatisch unterbesetzt und -finanziert. „Das DHS hat eine ganze Reihe von Problemen“, meint etwa Norman Ornstein vom American Enterprise Research Center in Washington. Er sagt der Bush-Regierung einen schweren Wahlkampf voraus, sollte sich die Arbeit der Behörde nicht verbessern. Die Zahlen scheinen das zu bestätigen: Das DHS-Budget steigt 2004 um sieben Prozent auf 36 Milliarden Dollar – doch das ist gerade die Hälfte der Summe, die Bush nun für die Einsätze in Afghanistan und Irak einfordert. Während der Verantwortungsbereich des Amtes weiter wächst und vom Anti-Terror-Kampf, über den Schutz der Infrastruktur bis zur Sicherung der Flughäfen reicht, wächst das Budget nicht mit. Die Küstenwache will 5,4 Milliarden Dollar, um die Häfen zu sichern, bekommen hat sie bisher nur knapp 400 Millionen. Abgesehen von den finanziellen Problemen beklagen sich die Mitarbeiter über den diffusen Charakter der Gefahr, die es zu bekämpfen gilt. Und ein Bericht des Kongresses kam zu dem Ergebnis, dass die zunehmend vagen Warnungen dazu führen könnten, dass die Bevölkerung sie nicht mehr wahrnimmt.

Auch Erfolge konnte die Heimatschutzbehörde verzeichnen: Seit Februar 2002 wurden in 80 Prozent der Flugzeuge schusssichere Cockpit-Türen installiert, und auch die frühe Warnung vor dem Internetvirus „Blaster“ bewahrte viele US-Unternehmen vor Schäden. Aber was die Behörde als ihre Leistung herausstellt, nämlich dass es keinen zweiten Terrorangriff gab, bleibt eine Herausforderung: Auch wenn sie den 11. September nicht vergessen haben, sind die meisten Amerikaner zum Alltag zurückgekehrt.

Die Autorin arbeitet bei „US News & World Report“ und ist derzeit als Burns-Stipendiatin Gast der Tagesspiegel-Redaktion. Übersetzung: Moritz Schuller.

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