Politik : Heimspiel für Merkel – Gipfel auf Mallorca

Ralph Schulze

Palma de Mallorca - Deutsche Fahnen wehten, deutsche Mallorcabesucher winkten. Unter blauem Himmel, bei Frühlingstemperaturen, dem Mittelmeer vor der Tür und mit der mächtigen Kathedrale im Rücken empfing Spaniens Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero seine „Amiga Angela“ in der malerischen Altstadt Palmas. „Angie“, riefen die Menschen in Richtung Kanzlerin, als Angela Merkel an Zapateros Seite durch die monumentale City flanierte. Fast wie zu Hause konnte sich die Kanzlerin bei ihrem Besuch auf Mallorca fühlen, wo am Donnerstag der deutsch-spanische Gipfel stattfand. Denn die Insel ist fest in deutscher Hand. Die deutschen Touristen stellen mit 3,5 Millionen Besuchern 37 Prozent der fast zehn Millionen Urlauber, die 2007 hierher zum Sonnenbaden kamen.

Eine sympathische Bild der Verbrüderung. Und dies war wohl auch die wichtigste Botschaft, welche von diesem Spitzentreffen ausgehen sollte: Die deutsch-spanischen Beziehungen sind besser als ihr Ruf. „Sehr positiv“, befand Zapatero. „Freundschaftlich“, meinte auch Merkel im mausgrauen Jackett.

Dabei kommen die Konservative aus Deutschland und der immer lächelnde Sozialdemokrat aus Spanien politisch alles andere als gut aus. Noch am Vortag hatte Merkel klar gestellt, für wen ihr Herz schlägt: Sie wünsche Zapateros politischem Widersacher, dem konservativen Herausforderer Mariano Rajoy, „von Herzen“ Erfolg bei dem Versuch, Zapatero in der kommenden Parlamentswahl am 9. März von der Macht zu verdrängen.

Ganz zu schweigen von aktuellen politischen Streitfragen: Der EU-Beitritt der Türkei, einer von den südlichen EU-Ländern vorangetrieben neuen „Mittelmeerunion“ und dem von Zapatero beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft. Doch auf Mallorca wollten beide Seiten vor allem die Gemeinsamkeiten beschwören: Ausbau erneuerbarer Energien, verstärkter Kampf gegen Klimawandel, illegale Einwanderung und internationalen Terrorismus sowie Begrenzung der zu befürchtenden globalen Finanzkrise.

Trotz aller schönen Worte, mit denen auf Mallorca die „guten Beziehungen“ beschworen wurden, belastet freilich die lange Schlammschlacht um den spanischen Energieriesen Endesa das Vertrauen. Die deutsche E.ON wollte im Jahr 2007 Endesa übernehmen, wurde dabei von Merkel unterstützt. Zapatero sperrte sich, bremste E.ON mit wettbewerbswidrigen Tricks aus. Sein Versprechen auf dem letzten deutsch-spanischen Gipfel im süddeutschen Meersburg, es werde ein „Happy End“ geben, erfüllte sich nicht: E.ON-Chef Wulf Bernotat durfte sich nur ein paar Krümel des spanischen Unternehmens einverleiben. Ralph Schulze

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