Politik : Heiß, heiß, heiß

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was ist das große, alles überragende Thema des Frankfurter CDU-Parteitags? Ist es die Arbeitslosigkeit? Ist es die Zukunft der deutschen Wirtschaft im Fegefeuer der Globalisierung? Ist es die große Debatte über des Wahlkampfs Blässe oder die Hitze der Schlacht? Na – fast getroffen. Das große, alles überragende Thema des Frankfurter CDU-Parteitags ist die Hitze. Und zwar gemessen in Grad Celsius. Die Festhalle der Frankfurter Messe nämlich ist schon ein bisschen älter. Schöner Kuppelbau, geschwungene Tribünen, alles bestens. Nur am Komfort der Neuzeit mangelt es – geringfügig. Es gibt keine Klimaanlage.

Draußen in der Stadt herrscht schon Backofen-Temperatur. Im Saal nähert sich das Quecksilber unerbittlich dem Siedepunkt. Die Delegierten auch. Kostüm- und Anzugjacken hängen schlaff über den Stuhllehnen. Das Tagungspräsidium sogar, durch kilowattstarke Leuchten zusätzlich angewärmt, zeigt sich im kurzärmeligen Hemde. Nur der Kandidat zeigt Nehmer-Qualitäten und harrt in vollem Wichs des Moments, zu dem er auftreten soll. All die Redensarten fallen uns ein, mit denen derlei Auftritte beschrieben zu werden pflegen. „Der Saal kocht“ – jawohl, schon vorher. „Stoiber hat den Delegierten eingeheizt“ – nicht mehr nötig.

„Stoiber versprach in seiner Rede Schweiß und Tränen“ – der Schweiß fließt längst in Strömen. Langsam geht uns auf, warum der Mann so einen unterkühlten Wahlkampf führt. Der königlich bayerische Wetterdienst hat das Hoch lange vorausgesagt. Weiteres Anheizen überflüssig – hier ist eh schon jede Menge heiße Luft. Robert Birnbaum

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