Politik : Heiße Ecke

Denkwürdige Geschäfte einer Investorenfamilie aus dem Kosovo erschüttern die Politik in Hamburg

Antje Lückingsmeier[Hamburg]

Die Verwicklungen um den Fall des Osmani-Clans könnten von keinem Filmregisseur besser inszeniert werden. Regten sich die Hamburger Senatsmitglieder 2001 noch über den Imageschaden auf, der ihnen durch Dieter Wedels Hamburg-Film „Die Affäre Semmeling“ drohte, werden sie heute von der Realität eingeholt.

Der Hintergrund: Es geht um die Geschichte der Familie Osmani. Die vier Brüder Quazim, Burim, Bashkim und Bekim Osmani kamen 1979 aus dem Kosovo-Städtchen Djakovica nahe der albanischen Grenze mittellos nach Hamburg – und sind inzwischen Millionäre im angeblich dreistelligen Bereich, residieren in Märchenvillen in noblen Elbvororten. Den Grundstein für das Vermögen des Clans legte der Legende nach Quazim, der Älteste der Brüder, der beim Glücksspiel an der Reeperbahn Millionen gemacht haben soll und fortan „Felix“, der Glückliche, hieß. Verstrickungen in Prostitution und Geldwäsche wurden den Clan-Mitgliedern zwar immer wieder nachgesagt, Polizei und Staatsanwaltschaft konnten aber nie Beweise erbringen. Die Familie erlebte in den 90er Jahren einen enormen Aufstieg. Sie betrieb Gaststätten und sammelte Immobilien in ganz Hamburg, darunter berühmte Kiez-Immobilien wie das ehemalige „Bayrisch Zell“, die „Heiße Ecke“, das Erotic Art Museum in der Bernhard- Nocht-Straße oder das „Café Keese“ an der Reeperbahn.

Seit Mai 2006 sitzt Burim Osmani in Untersuchungshaft – wegen des Verdachts der Beihilfe zu schwerem Betrug. Allerdings nicht als Folge von Hamburger Ermittlungen: Die bayerische Justiz setzte ihn fest. Was die Hamburger Geschäfte der Familie betrifft, scheint den Osmanis bis heute nichts nachzuweisen zu sein. Es wird vermutet, dass die Fahnder die Haft Burims zu nutzen versuchen, um Beweise für Verstrickungen des Clans in die Hamburger organisierte Kriminalität zu finden.

Die Hamburger Bürgerschaft streitet darüber, ob hoch stehende Politiker den Osmanis bei ihren Geschäften zur Seite standen. Der frühere Schill-Politiker Mario Mettbach, Ex-Bausenator und zeitweilig Zweiter Bürgermeister der Hansestadt, musste im Zuge der Affäre seinen Hut nehmen. Der Senat hatte ihn im Frühjahr zum „Logistikbeauftragten“ der Hamburgischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft gemacht. Diesen Job verlor Mettbach, nachdem er in einem Interview mit der „Hamburger Morgenpost“ selbst eine „Geschäftsbeziehung“ mit Burim Osmani einräumte und von einer „Zusammenarbeit“ sprach. Osmani sei auf seine „Beratertätigkeit“ aufmerksam geworden und habe ihn kontaktiert. Allerdings hatte Mettbach schon im März vor seiner Berufung bei Bürgermeister Ole von Beust (CDU) vorgesprochen, um für die Nutzung eines Osmani-Grundstücks zu werben: für die „Heiße Ecke“ in Sankt Pauli. Mettbachs Auftritt als Lobbyist der Osmani-Familie störte scheinbar niemanden. Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall stellte ihn einen Monat später als Logistik-Beauftragten der Hansestadt an.

Diese unglücklichen Verwicklungen thematisierte die Opposition im Hamburger Senat. Der GAL-Abgeordnete Jens Kerstan warf Bürgermeister Beust vor, mit Mettbach einen Mann zum Berater gemacht zu haben, über dessen „Abgang“ im Jahr 2004 „ganz Hamburg froh war“. Beust äußerte sich nun erstmals zu der Affäre: „Ich kenne niemanden von dieser Familie persönlich, und es hat sich auch noch nie jemand von denen direkt an mich gewandt.“ Alle Versuche, es so darzustellen, dass es Berührungen zwischen dem Senat und den Osmanis gebe, seien „eine bodenlose Unverschämtheit“.

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